Galerie Sfeir-Semler

Nach langen Wochen des Corona-Lockdowns werden wir unter Beachtung aller notwendigen Maßnahmen am kommenden Freitag und Samstag eine neue Ausstellung in unserer Hamburger Galerie eröffnen. Unter dem Titel Wo die Zitronen blühen..., bringt sie die Werke von Etel Adnan, Moritz Altmann, Yto Barrada, Bettina, Timo Nasseri, William Kentridge, Ania Soliman, Christine Streuli und Akram Zaatari zusammen.

"Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn“, ein Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe, erzählt von der Sehnsucht nach fernen Ländern, dem Süden, Sonne und Licht, nach mediterraner Flora, nach leuchtend weißen Bauwerken, Marmor, Klassik, nach heiterer Kultur und Lebensweise. Geleitet von diesem Gedanken malte Christine Streuli die Serie gleichnamiger Zeichnungen. Inspiriert von Werbeplakaten während ihres Aufenthalts auf Hawaii, transponieren sie auf überspitzte Weise den romantischen Gedanken von Goethe in unsere Gegenwart.

Das Streben nach Paradisischem mündet nun in der Suche nach Farben und dem Bildhaften, nach dem Malerischen und Poetischen im Werk unserer Künstler. In einer Variation von Medien und Motiven lotet die Ausstellung die Diversität von Aneignung und Umgang mit facettenreichen Aspekten des Mediums Malerei aus. Die Abwechslung von Leinwänden, Textilarbeiten und Skulptur diktieren den Rhythmus: Von den expressiv-abstrakten Warpaintings Christine Streulis zu der Tapisserie von Etel Adnan und der minimalistischen Textilarbeiten von Yto Barrada, der strahlend-gelben, großformatigen Zeichnung von Ania Soliman, die sich der Taxonomie der in China hergestellten, künstlichen Bambuspflanzen widmet, bis hin zu Barradas raumübergreifender Installation Lyautey Unit Blocks, die aus bemalten, zu einem urbanen Gebilde zusammengesetzten Holzblöcken besteht.

Während die Arbeiten im Obergeschoß der Galerie als farbenreiche varieté wahrgenommen werden können, erscheint das Erdgeschoß fast monochrom. Die abstrakte, schwarz-weiße Oberfläche der Leuchtkästen von Akram Zaatari deutet nur entfernt auf die Herkunft der Motive hin - auf die Nahaufnahmen von Negativen, die sich im Laufe der Zeit verändert haben und aufgrund ihrer Umgebungsbedingungen alle Arten von Luftblasen entwickelt haben. Gespiegelt an den Oberflächen der Parsec Skulptur von Timo Nasseri treten sie in einen Dialog mit der monumentalen Leinwand desselben Künstlers, deren geometrisch als auch ornamental anmutenden Motive über die Geschichte der Razzle-Dazzle Täuschungsmanöver aus dem Ersten Weltkrieg erzählen.

Etel Adnan, Moritz Altmann, Yto Barrada, Bettina, Timo Nasseri, William Kentridge, Ania Soliman, Christine Streuli, Akram Zaatari

WO DIE ZITRONEN BLÜHEN...
05.06.20  -  15.08.20

Der Titel der Ausstellung Every Good Boy Deserves Fudge ist einem der zehn Merksätze aus Barradas Posterserie Mnemonic Phrases entlehnt. Die auf den Plakaten gedruckten Sprüche, die als Eselsbrücken für das Merken von unterschiedlichen Informationen dienen, hat die Künstlerin über die Jahre gesammelt: Der Anfangsbuchstabe jedes Wortes soll das Erinnern an die Notenfolge E-G-B-D-F aus dem Violinschlüssel erleichtern. Angefangen mit diesen Redewendungen, sowie Nähübungen bis hin zu Montessori-Spielzeugen aus ihrer umfangreichen Sammlung von Fundstücken beschäftigt sich die Künstlerin in ihren neuen Arbeiten mit verschiedensten selbstbestimmten Lernformen. Mit spielerisch subversivem Humor collagiert die Künstlerin den Ausstellungsraum, um institutionalisierte historische Narrative mit dem Vokabular des Häuslichen und Alltäglichen zu kreuzen. Fotografien, Malerei, Zeichnungen, Drucke, Textilarbeiten, Skulpturen und Videos werden mit vorgefundenen Objekten zu Installationen zusammengefügt, die eine neue Ebene der Logik und Interpretation ermöglichen.

Mit Restrollen von Transferpapier, welches in den 1960/70er Jahren in der Textilindustrie verwendet wurde, um überschüssige Tinte während des Druckprozesses aufzufangen, verwandelt die Künstlerin die Hauptwand der Galerie in eine Tapeteninstallation. Die abstrakten Formen auf den Papierbahnen werden in Gegenüberstellung mit Barradas Malereien zu neuem Leben erweckt, für die sie sich am Herstellungsverfahren von traditionellem Vorsatzpapier orientiert hat, welches eigentlich zur optischen Verbindung des hinteren und vorderen Buchdeckels dient. Für ihre Aquarelle, die 2019 im Rahmen eines Aufenthaltes in der Casa Barragán entstanden sind, ließ sie sich von der Büchersammlung aus dem Atelier des Architekten inspirieren.

Auf dem selben Tapetenuntergrund präsentiert die Künstlerin zwei neue Fotoserien, die auf papierenen Übungsblättern aus Nähunterrichtsstunden basieren, welche die Künstlerin in Frauenkooperativen in ihrer Heimatstadt Tangier in Marokko gefunden hat. Diese Papiermusterbögen wurden dort als Lernhilfen verwendet, um Linienführung mit der Nähmaschine zu üben, bevor die Arbeit mit dem Stoff beginnt. Diese Lektionen erinnern an das pädagogische Spielzeug Friedrich Fröbels, das eine Reihe von spielerischen Übungen wie Bauen mit Blöcken, Falten von Papier, Nähen und Weben fördern und ein autonomes erfinderisches und kreatives Schaffen von Kindern fördern. Das Prinzip der  Konstruktion und Dekonstruktion im Spiel- und Lernkontext bezieht Barrada in ihren Fotocollagen und dem Film Agadir Angram nun auf die Architektur am Beispiel der 1960 durch ein Erdbeben zerstörten marrokanischen Küstenstadt Agadir. Die Folgen vom Abriss und Wiederaufbau der Stadt, werden in der Collagenserie, die 2018 zur Ausstellung The Curve im Barbican Centre in London entstanden sind, aus Teilen von gemalten Tapeten- und Textilskizzen, Pressebildern und Telegrammen zusammengesetzt.

Mit der Arbeit After Stella (Sidi Ifni II) setzt Barrada ihre gleichnamige Textilserie fort, mit der sie auf Frank Stellas Malereien aus den 1964–65ern Bezug nimmt, für die er sich von marokkanischen Orten hat inspirieren lassen, die er auf seiner Hochzeitsreise besucht hat. Dieses Bild zeigt sie mit der Rückseite nach vorne gekehrt und läßt die Ausführungen mit Bleistiftkennzeichnungen und sichtbaren Fäden erkennbar. Angeregt, die dahinterliegende Technik offenzulegen, wurde Barrada durch den Essay “Lassen Sie die Kinder spielen: Theorie der losen Teile” des britischen Künstlers Simon Nicholson von 1971 aus dem Journal Landscape Architecture, in dem kindliche Erfahrungen in einer restriktiven Welt beschrieben werden: „es ist ihnen untersagt, spielend zu bauen und zu basteln, mit Flüssigkeiten oder Wasser, Feuer oder lebenden Objekten zu experimentieren, mit all den Dingen, die die Neugier befriedigen und uns in den Genuss des Entdeckens und Erfindens versetzen.“ Zum einen bezeugt das Wenden des Kunstwerkes den tatsächlichen Wert seiner einzelnen Bestandteile. Zum anderen entlarvt es seine nahtlose Oberfläche, die im institutionellen Zurschaustellen von Kunst oft störend empfunden wird.

Zu ihrer vierten Ausstellung in der Galerie lädt Yto Barrada ihre Künstlerkollegin Bettina nach Hamburg ein. Bettina Grossman (*1927 in New York), die einfach “Bettina” genannt werden möchte, ist eine sagenumwobene Künstlerin, deren  umfangreiches Oeuvre sich aus Skulpturen, Fotografien, Malereien, Druckarbeiten, Filmen, Zeichnungen und Texten zusammensetzt. Ihr Werk blieb unentdeckt, bis es im vergangenen Jahr im Rahmen einer Ausstellung mit Yto Barrada zusammen gezeigt wurde. Seitdem arbeitet Yto Barrada an einem Werkverzeichnis zum Oeuvre der Künstlerin. Bettinas hat in den 50er und 60er Jahren für zehn Jahre in Europa gelebt. Als im Jahre 1968 ihr Atelier mitsamt ihrer bisherigen künstlerischen Arbeit durch ein Feuer zerstört wurde, ist sie nach New York zurückgekehrt, wo sie seitdem als Dauergast im legendären Chelsea Hotel lebt. Von dort aus beobachtet sie die alltäglichen Betriebsamkeiten der Stadt und versucht die flüchtigen, vorüberziehenden Energien des Großstadtlebens zu fassen. Viele von Bettinas Arbeiten setzen sich aus Abfolgen von formalen Untersuchungen zu Mustern und Unregelmäßigkeiten zusammen, loten Spiel und Disziplin aus und folgen einer zyklischen und mystischen inneren Lo?gik.

Bettinas Werdegang wurde in mehreren Filmen dargestellt, wie zum Beispiel in Sam Bassetts Bettina von 2008 und in Girl with Black Balloons von Corinne van der Borch aus dem Jahr 2010. Ihre jüngste Ausstellung mit dem Titel The Power of Two Suns wurde im Herbst 2019 im LMCC’s Arts Center auf  Governors Island in New York gezeigt.

YTO BARRADA, BETTINA

Every Good Boy Deserves Fudge
30.01.20  -  30.05.20

In seiner vierten Einzelausstellung in der Galerie fokussiert sich der Maler, Bildhauer und Fotokünstler Hiroyuki Masuyama auf Perspektiven der Hansestadt Hamburg und setzt diese in das sein Werk prägende Verhältnis von Raum und Zeit. In einer von vier großformatigen Fotocollagen vereint Masuyama mithilfe computergenerierter Bildbearbeitung den Himmel über dem Hamburger Hafen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang in einem Bild. Für die Herstellung dieser in einem Leuchtkasten präsentierten Hamburger Vedute hat Masuyama seine Kamera an einem Sommertag auf der Aussichtsplattform der Elbphilharmonie hoch über der Stadt aufgestellt, um eine 360°-Panoramaaufnahme anzufertigen, für die er sich einen Tag lang alle 10 Minuten einen Meter vorwärtsbewegt und den Auslöser seiner Kamera betätigt hat. Weder den Auslöser noch die Zeitsteuerung hat er in diesen 24 Stunden ohne Schlaf automatisiert. Jede einzelne dieser Aufnahmen hat er Schritt für Schritt zum großen Ganzen aneinander montiert. Die so vom Künstler geschaffene Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Zeiträume regt den Betrachter dazu an, über die Auflösung des über Jahrhunderte tradierten Raum- und Zeitempfindens wie die astronomische Stundenzählung, über Vergänglichkeit, Wandel und neues Entstehen nachzudenken.

Hiroyuki Masuyama ist bekannt für seine Bildobjekte, die sich zum Teil explizit auf europäische Bildtraditionen, wie die romantische Landschaftsmalerei oder auf das barocke Stillleben beziehen. Immer findet sich ein serielles Prinzip, das den Arbeitsprozessen des Künstlers eine meditative Dimension verleiht. So hat Masuyama über einen Zeitraum von ungefähr drei Wochen immer eine Blume bei sich getragen und jede Stunde eine der Blüten in seiner Hand abfotografiert und die Etappen bis zu ihrem Verfall festgehalten. Die Fotografien der verwelkenden Pflanze in ihren verschiedenen Stadien werden mittels der digitalen Bildbearbeitung überlagert und verschmelzen derart in ihrer Abfolge. Das zeitliche Nacheinander der Zustände wird so in eine Simultaneität des Ungleichzeitigen überführt.

Die konzeptuelle Vorgehensweise von Hiroyuki Masuyama ist immer von der Begeisterung für das Handwerk und die Schönheit der Vorlagen getragen. Seine künstlerische Arbeit ist von der Gleichzeitigkeit von romantischer Hinwendung und Dekonstruktion zum Objekt gekennzeichnet. So hat er für einen gänzlich neuen Werkzyklus die Umrißlinien des Schattenwurfs von einzelnen Blättern per Hand mit dem Bleistift nachgezeichnet, und zwar im Zehn-Minuten-Takt von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Desweiteren hat Hiroyuki Masuyama für diese Ausstellung eine Reihe von großformatigen Papierarbeiten angefertigt. Mittels eines Projektors hat der Künstler die auf der Wand erscheinenden Umrißlinien von davorstehenden Blumenvasen über drei Wochen lang zweimal täglich auf Papier übertragen. Das zeitliche Nacheinander der einzelnen Welkzustände wird so in eine Simultaneität des Ungleichzeitigen überführt. Dabei entsprechen die kompositorische Verdichtung im Bildzentrum und die Auflockerung an den Rändern dem traditionellen Bildaufbau von Blumenstillleben. Die sehr feinen Zeichnungen stellen förmlich eine Umkehrung der digitalen, fotografischen Arbeitsweise ins Analoge dar und der Lauf der Zeit wird auf dem Blatt Papier auf sehr poetische Weise festgehalten.

Um nebst Vergangenheit und Gegenwart auch die Zukunft als Komponente in seiner Ausstellung Ich erwarte Dich, I am awaiting you zu thematisieren, hat Hiroyuki Masuyama mittels vier langlebiger Betonplatten eine Einladung an einen Zeitreisenden aus der Zukunft formuliert. Er bittet diesen aus der Zukunft zu kommen und seine Eröffnung mit ihm zu feiern, um der weitreichenden Frage auf den Grund zu gehen, was von uns die nächsten 1000 Jahre überdauern wird.

Hiroyuki Masuyama wurde 1968 in Tsukuba bei Tokio geboren. 1995 führte ihn ein DAAD-Stipendium an die Kunstakademie nach Düsseldorf, wo er bis heute lebt und arbeitet. Masuyama hat in den vergangenen 20 Jahren an zahlreichen Ausstellungen im In-und Ausland teilgenommen und seine Arbeiten befinden sich in wichtigen Sammlungen wie der Kunsthalle Hamburg; Kunsthaus Zürich; Quandt Haus, Bad Homburg; UBS, Zürich; Gertsch Museum, Burgdorf/Schweiz, Montblanc Hamburg; DKV Münchner Rück; Kunsthalle Bremen und dem Pommerschen Landesmuseum, Greifswald. Zurzeit ist außerdem seine Ausstellung "Minima x Maxima" in der Städtischen Galerie Offenburg noch bis zum 16. Februar 2020 zu sehen.

HIROYUKI MASUYAMA

I am awaiting you
21.11.19  -  19.01.20

Marwan Rechmoui ist ein Konzeptkünstler, dessen vorwiegend aus Beton, Metall, Gummi oder Wachs bestehendes skulpturales Werk der sozialen Geografie von Städten nachspürt. Über sechs Meter Länge erstreckt sich im Obergeschoß der Galerie eine reliefartige Komposition , die sich aus 12 in Beton, Wachs und Kupfer gefertigten Tafeln zusammensetzt. In einer minimalistisch gehaltenen Ästhetik zeichnet Marwan Rechmaoui die Küste Beiruts nach. Aus der Vogelperspektive kartographiert, hält die Arbeit eines der Wahrzeichen der libanesischen Hauptstadt fest. Nicht nur die Küste, auch andere wichtige städtebauliche Elemente werden zum Thema der Kunstwerke Rechmaouis: Während die Arbeit Beirut Caoutchouch, die zu der Sammlung der Tate Modern in London gehört, eine aus schwarzem Gummi bestehende Mappe der Stadt bildet, gelingt es dem Künstler in seiner Installation Blazon alle Nachbarschaften Beiruts durch Flaggen und Wappen zu verewigen. Nicht nur Beirut, auch andere arabische Städte werden zu künstlerischem Inhalt. Auf den Satellitenbilder basierend hat Rechmaoui u.a. Mogadischu und Djibouti aus kleinen, bunten Wachsteinen nachgebaut. Die Assoziation der verpixelten Aufnahmen wird durch die Wahl der formalen Umsetzung unterstützt und lässt die inhaltliche Fokussierung der Hauptsymbole, -straßen und –bezirke der jeweiligen Stadt wiedererkennen. Durch Wechsel von Perspektiven und Einsatz von Material, das ohnehin zum Stadtbild gehört, hinterfragt Mawan Rechmaoui auch formal die politischen Strukturen der arabischen Gesellschaft, ihre soziale und urbane Veränderung. Seine Skulpturen halten die kulturelle Geschichte der dargestellten Städte fest, indem sie ihre Wahrzeichen dokumentieren und sie vor politischem Opportunismus bewahren.

In diesem Sinne bedient sich der Künstler in seinen neuen Arbeiten der utopisch anmutenden Bauten des Messe- und Freizeitparks in Tripoli. Dieser von Oskar Niemeyer, einem legendären brasilianischen Architekten, in den 1960er Jahren entworfene Stadtteil wurde nie fertiggestellt. Der monumentalen, zukunftsweisenden Architektur, welche die Optimierung des Stadtlebens zum Ziel hatte, wurde in den letzten Jahrzehnten der Sinn genommen und dem Verfall preisgegeben. Um ihre historische Bedeutung sowie die Auswirkung der unbeständigen politischen Systeme im Libanon aufzuzeigen, baut der Künstler drei von fünfzehn Pavillons des Parks nach. Das in Beton gegossene und mit einer gewaltigen Kuppel überdachte Model des experimentellen Theaters wird nun, seit Langem der Öffentlichkeit vorenthalten, sichtbar.

Marwan Rechmaoui studierte von 1987 bis 1993 Malerei und Bildhauerei an der New England School of Art & Design und am Massachusetts College of Art and Design in Boston.Seine aktuelle Einzelausstellung Slanted Squares im Bonnafantenmuseum in Maastricht wird im November 2019 in die Sharjah Art Foundation weiterreisen. Marwan Rechmaoui nahm an Ausstellungen im Libanon sowie über die Grenzen des Landes hinaus teil, unter anderem im Darat al Funun, Amman (2018); Ashkal Alwan, Homeworks 7; Beirut (2015); Istanbul Bienniale 13 (2015); Here & Elsewhere, New Museum, New York (2014), Musée Granet, Aix-en-Provence, France (2013); Sharjah Biennial (2005 und 2013); Serpentine Gallery, London (2012); Saatchi Gallery, London (2009); Zentrum Paul Klee, Bern, Schweiz (2009); Musée d’art Contemporain de Nîmes, Frankreich (2008); und Palais des Beaux-Arts, Brüssel, Belgien (2008). Rechmaouis Arbeiten befinden sich in den Sammlungen der Tate Modern, London; Centre Pompidou, Paris; Guggenheim Abu Dhabi; The Sharjah Art Foundation; Reina Sofia, Madrid; sowie weiteren namhaften öffentlichen und privaten Sammlungen.

MARWAN RECHMAOUI

CityScapes
05.09.19  -  09.11.19

Sfeir-Semler Gallery präsentiert zwei Konzeptkünstler, deren Herkunft und Karriere unterschiedlicher nicht sein können: Robert Barry, einer der wichtigsten Vertreter der amerikanischen Minimalismus- und Konzeptkunst im Dialog mit dem Jugoslawen Ivan Kožari?, dessen Werk aus westlicher Sicht dem sogenannten internationalen Konzeptualismus zugerechnet wird. Die Zusammenstellung ihrer Werke zeigt die unterschiedliche Auffassung ihrer künstlerischen Stilistik und Entwicklung, bedingt durch geographische, kulturelle und soziopolitische Faktoren.

Robert Barry, geboren 1936 in New York, steht seit den 60er Jahren für eine radikale minimalistische Konzeptkunst die traditionelle Regeln und Codices in Frage stellt. Er untersucht das Verhältnis von Fläche und Raum, anwesender und abwesender Formen und die Ergänzung von Leerformen durch den Betrachter. Etwa in den Space Paintings, die weder gegenständlich noch emotional aufgeladen lediglich den Raum an sich ausmessen und in seiner Nüchternheit erfahrbar machen. Zu dieser Neudefinition der Gattung Malerei passt, dass er sich neben ganz exakten Anleitungen der Positionierung genauso gern des Zufalls bedient, um seine Bilder auf der Wand zu platzieren; dabei wird die Rolle und Autorschaft des Künstlers aktiv unterwandert. Ähnlich zufällig ist die Auswahl und Platzierung von Wörtern auf monochrom farbigem bzw. weißem Papier und Leinwand oder auch in seinen frühen Audioarbeiten, die befreit von semantischen Kontexten vermeintliche Leere füllen. „Nothin“g, so Barry,  seems to me the most potent thing in the world.“ Entsprechend schuf Barry räumliche Installationen mit Drähten und transparenten Nylonfäden, führte Aktionen mit Edelgasen (Inert Gas Series) oder radioaktivem Material (Radiation Pieces) durch und arbeitete mit akustischen Frequenzen, Geräuschen und Sprache. Robert Barry entdeckt den leeren Raum, erhebt ihn gar zum Konzept ganzer Ausstellungen – During the Exhibition the gallery is closed – einerseits als Verweigerungshaltung, andererseits zur Betonung einer Freiheit jenseits der Materie und gängiger Objektivierungen.

Während Barrys künstlerische Praxis eine klare Entwicklung beschreibt, entpuppt sich Ivan Kožari? als stilistischer Nomade. Seine Praxis ist gekennzeichnet durch ständige Variationen, Transformation und Experimente, mit der Prämisse der Gewährleistung künstlerischer Freiheit. Ivan Kožari?,  geboren 1921 in der Nähe von Zagreb, begann seine künstlerische Karriere zu einem Zeitpunkt, in dem der Soziale Realismus die favorisierte künstlerische Richtung ist. Aufgrund einer liberaleren Form des Sozialismus in Jugoslawien, in der künstlerische Kreativität nicht durch den Staat reguliert wird, entstehen die ersten Arbeiten im Prozess der Auseinandersetzung mit der Moderne. Skulpturen menschlicher Figuren, wie etwa der Sitzende Mann, markieren den künstlerischen Anfang in den frühen 50er Jahre und weisen auf die Reminiszenzen an Giacometti, Maillol, Brancusi oder Rodin hin. Diese modernistische Phase wird durch die zunehmende Abstrahierung, Konzeptualisierung und Stilisierung der Form ersetzt, die Suche nach dem passenden Ansatz bestimmt das Werk. Obwohl Kožari? größtenteils als Bildhauer bekannt ist, arbeitete er in verschiedenen Medien und schuf ein umfangreiches Werk das von permanenten und temporären Skulpturen, Installationen und städtischen Interventionen über Assemblagen bis hin zu Zeichnungen, Fotografien und Malerei reicht. Unabhängig von dem Medium, zeugen die Arbeiten von einer für den Minimalismus typischen Reinheit und Perfektion der Form, welche die künstlerische Idee und den Prozess des Entstehens widerspiegeln. Die Leichtigkeit mit der Kožari? sich verschiedene Stile aneignet und diese mit Frische, Spontaneität und Humor zu einer eigenen künstlerischen Sprache formt, verleihen den Werken eine Unmittelbarkeit und machen die Freude des Künstlers beim Erschaffen seiner Werke spürbar.

Robert Barry nahm teil an der Pariser Biennale (1971), an der von Harald Szeemann kuratierten documenta 5, Kassel (1972) und an der Vendedig Biennale (1972). Seine Werke sind Teil renommierter internationaler Sammlungen wie Stedelijk Museum, Amsterdam; Museum Ludwig, Köln; Kunstmuseum Basel; MUMOK, Wien; Albertina Museum, Wien; MMK, Frankfurt; Chicago Art Institut, Chicago; Hirshhorn Museum, Washington; Guggenheim Museum, New York; Centre Pompidou, Paris; MOCA, Los Angeles und MoMA, New York.

Ivan Kožari?s Arbeiten wurden in Einzelausstellungen in den folgenden Institutionen gezeigt: im Musée d'art Moderne de la Ville de Paris, Paris (2002); Art Pavilion, Zagreb (2005–2006) und am Haus der Kunst, München (2013). Er nahm an zahlreichen Gruppenausstellungen wie der Venedig Biennale (1976), São Paulo Biennale (1979) und documenta 11, Kassel (2002), teil. Seit 2007 ist Kozarics Atelier als Dauerinstallation Teil der Sammlung des Museums für zeitgenössische Kunst in Zagreb.

ROBERT BARRY, IVAN KOZARIC

ROBERT BARRY, IVAN KOZARIC
04.04.19  -  18.08.19

1966 in Gaza geboren, lebt und arbeitet Taysir Batniji seit 1995 in Paris. Zerrissen zwischen zwei Ländern, zwei Kulturen, zwei Welten, setzt sich Batniji in seiner multimedialen künstlerischen Praxis mit Themen wie Exil, Erinnerung und Identität auseinander. Der biografische Blick seiner im politischen und gesellschaftlichen Kontext verorteten Arbeiten, verleiht den Sujets eine subtile, fast poetische Konnotation.

Home Away From Home entstand im Rahmen einer Kooperation mit der Fondation d’entreprise Hermès und der Aperture Foundation. Die Arbeit spürt der Geschichte seiner vier in die USA emigrierten Cousins und deren Familien nach. In den Wochen seines Besuchs schafft der Künstler eine umfangreiche Fotoserie, die das Leben dieses Teils seiner Familie dokumentiert. Die einnehmenden Bilder – Porträts, Häuser, Aufnahmen der Interieurs – erzählen von Vergangenheit und Gegenwart der Familienmitglieder; sie bilden einen Fundus an persönlichen Antworten auf Fragen der Immigration, Assimilation und Selbstverortung. Trotz der Distanz und der wohlwollenden Adaption in Amerika, halten die Familienmitglieder fest an ihrer Palästinensischen Herkunft, ihren Wurzeln, ihrer Kultur und Religion, und verkörpern eine Art doppelte Identität.

Den Anfang und das Ende dieses Werks bildet eine Komposition aus Fotografien, Aquarellen und Zeichnungen die das Elternhaus in Gaza aus der Erinnerung darstellt. Eine Palme die einst im Zentrum des Garten stand ist nur noch auf den Zeichnungen sichtbar. Das Haus scheint heute leer und verlassen im Vergleich zu den Erinnerungen. Die Familiengeschichte wird nun fern der ursprünglichen Heimat fort geschrieben.

In  Batniji’s Journal intime #3 / The Sea, 1999-2006, werden Heimat und Wahlheimat, Vergangenheit und Gegenwart, Erinnerung und Realität miteinander konfrontiert. Die Bilder aus Gaza halten den Alltag fest: von fröhlichen Fischern im Boot bis hin zu verlassenen, durch den politischen Konflikt gezeichneten Gegenden entlang des Strands. Die präzise Wahl der Motive verdeutlicht die Ambivalenz in der nur die Sonne, das Meer und der Strand den beiden Heimaten gemein zu sein scheint.

Taysir Batniji hat Kunst an der Al Najah Universität in Nablus, Palestina und an der Akademie der Künste in Bourges, Frankreich studiert. In den vergangen Jahren hatte er  Einzelausstellungen bei Rencontres Internationales de la Photographie, Arles (2018), Aperture Foundation, New York (2018), Contemporary Art Space André Malraux, Colmar (2016), Espace Culturel Robert de Lamanon, Marseille (2013), La BF15, Lyon (2012), Musée d'Art et d'Histoire, Geneva (2007) und Witte de With Center for Contemporary Art, Rotterdam (2004-2005). Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Gruppenausstellungen gezeigt u.a: La Kunsthalle Mulhouse, Mulhouse (2017), Württembergischer Kunstverein, Stuttgart (2017), Institut Valencia d’Art Modern, Valencia (2016), Centre Pompidou, Paris (2014), La Biennale di Venezia, Venedig (2011, 2009, 2003). Seine Werke sind unter anderem Teil der Sammlungen des Centre Pompidou, Victoria & Albert Museum und Fondation Louis Vuitton.

TAYSIR BATNIJI

Home Away From Home
31.01.19  -  28.03.19

Die südafrikanische Künstlerin Dineo Seshee Bopape konzentriert ihr künstlerisches Schaffen zunehmend auf den sozialpolitischen und kulturellen Aspekt von individueller und kollektiver Souveränität. In diesem Kontext untersucht sie multimedial Themen wie Gewalt, Unterdrückung, Ausbeutung und Unsicherheit. Einzelne Erinnerungen, historische Narrative oder persönliche Schicksale werden in poetischen, manchmal sogar spirituell anmutenden und zugleich komplexen Installationen dargestellt und fordern die Auseinandersetzung mit den Ereignissen, deren Auswirkungen das heutige Südafrika geprägt haben.

Nach ihrer Teilnahme in einer Gruppenausstellung unserer Galerie in Beirut letzten Jahres, arrangiert sie nun für ihre erste Einzelausstellung in Hamburg die 2017 entstandene multimediale Arbeit Lerole: footnotes (The struggle of memory against forgetting). Inspiriert vom literarischen Werk James Baldwins spürt die Installation der präkolonialen Zeit Afrikas nach. Eine Konstellation aus ockerfarbenen Ziegeln, Plattenspielern, kleinen Keramikobjekten, Holztafeln, Erde und Blattgold erstreckt sich über die gesamte Fläche der Galerie. Vogelgesang sowie Wasserrauschen sind zu hören, Weihrauchgeruch verströmt eine spirituelle Atmosphäre. Die Grenze zwischen Materiellem und Immateriellem zerfließt. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen 100 auf kleinen Holztafeln gravierte Texte, welche den Widerstand der afrikanischen Bevölkerung gegen die Kolonialisierung dokumentieren. So setzt sie den von der Geschichte oft vergessenen heldenhaften Taten von Einzelkämpfern und Kollektiven ein Denkmal.

Symbolisch für den Kampf nach Freiheit erklingt der Gesang des Quetzals, eines südamerikanischen Vogels, welcher der Legende nach in Gefangenschaft Selbstmord begeht. Das Rauschen aller Ozeane und Meere, die den afrikanischen Kontinent umgeben, verortet die Erzählung geographisch und metaphysisch. Kleine überall im Raum verteilte Keramiken sind Tonabdrücke des Inneren einer Faust. Sie stehen sinnbildlich für die Materialisierung des Unsichtbaren bzw. für die Gestaltung der Leere und sind ein wichtiger Bestandteil Bopape’s künstlerischen Vokabulars. Zugleich unterstreichen sie die Rolle des Materials selbst - Lehm und Erde - und damit metaphorisch von Boden und Land als wichtigsten Träger des kollektiven Gedächtnisses. Auch Wasser, Pflanzen, Mineralien und weitere Naturelemente sind für Bopape zeitlich, kulturell, politisch und ökonomisch mit jeweils spezifischer Bedeutung aufgeladen und bilden immer wieder die sowohl formale als auch inhaltliche Grundlage ihrer Arbeiten.

Während die Installation das kolonialisierte Afrika rehabilitiert, erzählt Bopape in ihrer Videoarbeit Title not yet known at the time of publication (2018) von dem brisanten Fall des damaligen Präsidenten Jacob Zuma, welcher 2005 von Khwezi (alias) wegen Vergewaltigung angeklagt wurde. Auch hier von Vogelgesang und Wasserrauschen begleitet, wechseln sich abstrakte Bilder mit von Darstellern gespielten Szenen ab. Die bedrückende Stimmung lässt bereits am Anfang das Ende der Geschichte erahnen und steht in Kontrast zu der spirituellen Atmosphäre ihrer Installation.

Dineo Seshee Bopape, geboren 1981 in Polokwane (ZA), lebt und arbeitet in Johannesburg. In den vergangenen Jahren zeigten unter anderem Witte de With Contemporary Art, Rotterdam (NL, 2017),  Darling Foundry Montreal (CAN, 2017), Art in General, New York (USA, 2016), Palais de Tokyo Paris (F, 2016), und die Hayward Gallery London (UK, 2015) Einzelpräsentationen von Dineo Seshee Bopape. Die Künstlerin nahm zudem an zahlreichen internationalen Gruppenausstellungen teil wie z.B. im Museum of Contemporary Art Toronto (CAN, 2018), den Wiener Festwochen (AUS, 2017), der 13. Sharjah Biennale (VAE, 2017), der 32. Sao Paulo Biennale (BR, 2016), der Biennale de Montréal (CAN, 2016), der 6. Marrakesch Biennale (MA, 2016), im ZKM Karlsruhe (D, 2015). Dineo Seshee Bopape wurde 2017 mit dem Future Generation Art Prize des  PinchukArtCenter Kiev 2017 und dem Sharjah Biennial 13 Prize ausgezeichnet.

DINEO SESHEE BOPAPE

Lerole: footnotes (The struggle of memory against forgetting)
08.11.18  -  19.01.19

In schwarz-weiß gehaltene Stillleben beherrschen den Ausstellungsraum. Auf den ersten Blick zurückhaltende, intime , teils filigrane Motive werden in den Zeichnungen mit toten Fliegen konterkariert, von Nägeln bedroht, manche gefesselt oder von Reizbrettstiften umrandet. Es sind die Momente der Gewalt in der Komposition dieser Bilder, die sie dem Genre entziehen und das Gefühl von Entrüstung, Gewalt und Bedrohung auslösen. Nicht nur Gegenstände, auch abgetrennte menschliche oder tierische Gliedmaßen sind zu sehen. Einige Portraits von Familien lassen tragische Schicksale erahnen.

Der 1951 in Qamischli, Syrien geborene Künstler Youssef Abdelké kritisiert die jüngere politische Geschichte seines Landes, die Ungerechtigkeit, und kämpft für die Rechte der Menschen hier. 1976 schuf er das großformatige Werk zum “Schwarzen September”, welches das an Palästinensern verübte Massaker in Jordanien im Jahr 1970 thematisiert. Es war der Anfang seines künstlerischen Weges im Kampf gegen die Gewalt und für die Freiheit. Für seine politische Überzeugung wurde Abdelké das erste Mal 1978 inhaftiert. Danach verließ er sein Heimatland und emigrierte nach Frankreich. In Paris verbrachte er 24 Jahre im Exil. Trotz aller Risiken kehrte er 2005 nach Damaskus zurück. 2010 wurde sein Pass von den Behörden eingezogen. Er blieb eingesperrt im eigenen Land bis er 2013 erneut für 5 Wochen inhaftiert wurde. Youssef Abdelké ist seinen Idealen bis heute treu: “I still believe today in progress and freedom of societies, I believe in the value of human life, and the respect of human rights. No one should ever be imprisoned for their opinions. An opinion should be faced with ideas, and not responded to with imprisonment”.

Gefangenschaft und Exil haben Abdelkés Arbeit stark beeinflusst: Die Fokussierung auf Zeichnung und Radierung als ausschließliches Ausdruckmittel ermöglichen klare und rationale Kompositionen. Während der formale Umgang mit Perspektive und Linie eine vielschichtige Auseinandersetzung mit Kunsttraditionen enthüllt und eine eigene Ästhetik etabliert, spiegeln die Inhalte das Lebensgefühl des Künstlers wieder. So schafft es Abdelké durch Klarheit seiner Komposition und Stille seiner Motive die Wut über Ungerechtigkeit und Machtmissbrauch abzubilden und die Zerbrechlichkeit eines menschlichen Lebens hervorzuheben.

Die Ausstellung, die bis 28. Oktober zu sehen ist, markiert den Anfang der Zusammenarbeit zwischen dem Künstler und der Galerie Sfeir-Semler. Die Werke der letzten Dekade zeugen von einer einmaligen künstlerischen Position in der syrischen Kunst der Gegenwart.

YOUSEFF ABDELKÉ

Schwarz
06.09.18  -  28.10.18

Die Galerie repräsentiert MARWAN (*1934-2016) seit dem Jahr 1987, beginnend mit der ersten Einzelausstellung des Künstlers in unserer Kieler Galerie. Dieser folgten Ausstellungen in den Räumen in Hamburg und Beirut, sowie auf internationalen Kunstmessen. Dabei hervorzuheben ist die retrospektive Ausstellung im Jahr 2009, die anlässlich seines 75. Geburtstags in Beirut stattfand.

In Damaskus 1934 geboren, immigrierte Marwan 1957 nach Berlin, wo er Malerei an der HdK studierte (1957-1963) und später lehrte. Bereits damals flossen die Einflüsse der deutschen Moderne und arabischer Kulturwelt in seinen Arbeiten ineinander. Daher wundert es nicht, dass sich Marwan über die Jahrzehnte gleichzeitig zu einem bedeutenden Vertreter der deutschen Nachkriegskunst sowie zu einem der wichtigsten Maler der Moderne im arabischen Raum etabliert hat. 2016 verstarb er in Berlin im Alter von 82 Jahren.

Während sich die meisten Künstler seiner Generation für den unterkühlten, gesellschaftskritischen Realismus begeisterten, entschied sich Marwan dem Zeitgeist entgegen zu steuern und die Gefühlswelt in die Malerei zurückzubringen: Er wurde zu einem künstlerischen Einzelgänger und zum Erfinder der „pathetischen Figuration“, wie Eberhard Rothers anlässlich der Ausstellung in der Galerie Springer 1967 seine Kunst bezeichnete.

In dieser Ausstellung liegt das Augenmerk auf seinen Aquarellarbeiten. Beginnend in den 1960er Jahren zeigen seine stimmungsvollen Gesichter Ähnlichkeiten mit Freunden, Dichtern, Politikern und dem Künstler selbst. Seit den 70er Jahren bestimmen „Köpfe“ auf Papier und Leinwänden das Motiv des Künstlers. Er erschafft sie mit wiedererkennbarer expressiver Handschrift, dabei fordert das Papier, anders als die Leinwand eine schnelle und präzise Arbeitsweise, die Marwan virtuos beherrscht. Er scheint die Aquarellfarbe zu zähmen und erschafft seine „Köpfe“ in einem Guss.

Es lohnt sich Marwans Werke richtig anzusehen, ein oberflächliches Hinschauen reicht nicht aus. Denn die dargestellten „Köpfe“, auch wenn fast ausschließlich die Abbildungen des Künstlers selbst, sind keinesfalls individualistische Porträts, sondern viel mehr die Darstellungen einer geistigen Landschaft, einer emotionalen Sphäre, einer Projektionsfläche der menschlichen Seele.

MARWAN

Works on paper: 1968-2014
17.05.18  -  25.08.18

Im Jahr 2004 unternahm Wael Shawky eine künstlerische Forschungsreise durch sein Heimatland auf der Suche nach historischen, religiösen und philosophischen Besonderheiten, die das politische und soziale Leben in Ägypten entscheidend prägten. Er reiste von seiner Geburtsstadt Alexandria über Kairo und den Nil entlang nach Südägypten. Inspiriert von Orten und Begegnungen dieser Reise schuf Shawky die Filmtrilogie Al Araba Al Madfuna (2012-2016), ein Verweis auf die begrabene arabische Geschichte.

Das gleichnamige Dorf in der Nähe der archäologischen Ausgrabungsstätte von Ozorion und der antiken Stadt Abydos gelegen, bot den perfekten architektonischen Rahmen. Seit langem war die Region Ziel zahlreicher archäologischer Expeditionen und nach einem vergrabenen Schatz, der nie nachgewiesen wurde, suchender Bevölkerung. Der Künstler selbst wurde zum ersten Mal auf das Dorf aufmerksam, als ein Schamane in seiner Prophezeiung die Ruinen Ozorions als Ort des vergrabenen Schatzes identifizierte, natürlich, ohne Erfolg. Dieses Bedürfnis seiner Landsleute, die reiche pharaonische Vergangenheit wiederherzustellen, als eine Möglichkeit, ihre nationale Identität und ihren Stolz zu wahren, erforscht Shawky in seinen Filmen.

Das literarische Werk des ägyptischen Autors Mahamed Mustagab dient dem Künstler als Inspiration und verleiht den Filmen durch seine einzigartige Erzählstruktur eine mythische Note. Die Geschichten erzählen von wechselndem Eifer zu falschen Götzen und vom Glauben der Menschen an das Magische und Ephemere, statt an das Wahre und Ewige. Der finale Teil der Filmtrilogie Al Araba Al Madfuna III (2016) wurde in den Ruinen des antiken Tempels von Pharao Seti gefilmt und basiert auf einer Parabel über die Beziehung der Gesellschaft zur Natur. Der Film wird in einem abgedunkelten Raum mit  blau schimmernden Wänden projiziert, die einen traumartigen Rahmen bieten. In inverser Beleuchtung und Farbe gedreht, was die Mystik der pharaonischen Vergangenheit Ägyptens unterstreicht, deutet die Arbeit auf eine Vergangenheit hin, die so außergewöhnlich ist, dass die Ägypter immer noch unter dem Gewicht dieses immensen historischen Erbes leben. Das moderne Ägypten versucht sich von seiner Geschichte zu emanzipieren, um voranzukommen, eine gesellschaftliche Entwicklung, die sich im Wahl der Schauspieler des Filmes wiederspiegelt: Sie alle sind Kinder, die erwachsene Rollen spielen und mit erwachsenen Männerstimmen synchronisiert sind, als ob sie über die verstummelte Reifung der Nation nachdenken.

Der Kampf um die Gegenwart manifestiert sich auch in einer Reihe neuer Skulpturen, die der Künstler für die Ausstellung geschaffen hat. In einer imposanten Vitrine erinnern die Figuren an die glorreiche Vergangenheit, an antike Skulpturen, die repräsentativ  für die visuelle Identität Ägyptens stehen. Bei näherer Betrachtung erweisen sie sich jedoch als surreale Kreationen mit reflektierenden Farben und übertriebenen Formen. Diese futuristische Herangehensweise an die alte skulpturale Tradition stellt ihre Rolle in der zeitgenössischen Darstellung Ägyptens in Frage.

Wael Shawky (* 1971) hatte in den vergangen Jahren mehrere Einzelausstellungen gehabt: MoMA PS1, New York (2015), Mathaf - Arabisches Museum für Moderne Kunst, Doha (2015), K20 - Kunstsammlung NRW, Düsseldorf (2014), Serpentine Gallery, London (2013) und KW - Institut für Neue Kunst, Berlin (2012). Im Jahr 2016 würdigten Castello di Rivoli und der Fondazione Merz in Turin sowie das Kunsthaus Bregenz sein künstlerisches Werk mit jeweils einer Einzelschau. 2017 wurde auf Kampnagel Theater in Hamburg seine erste Oper The Song of Roland: The Arabic Version uraufgeführt. Er nahm an zahlreichen Gruppenausstellungen und Biennalen wie  unter anderem an der Documenta 13 (2012), der Istanbul Biennale (2011 & 2015), der Sharjah Biennale (2013) teil. Er erhielt den Mario-Merz-Preis (2015), den Sharjah Biennale-Preis (2013), den Louis-Vuitton-Preis für kinematografische Werke (2013) und den Kunstpreis der Schering-Stiftung (2011). Seine Werke sind Teil von renommierten internationalen Sammlungen wie dem Metropolitan Museum, New York; MoMA, New York; Tate Modern, London; Kunstsammlung NRW, Düsseldorf; Mathaf, Katar; Macro Museum, Rom; Darat Al Funun, Amman und Luxemburg Museum für zeitgenössische Kunst, Luxemburg.

WAEL SHAWKY

Al Araba Al Madfuna
01.02.18  -  29.04.18

Ein bemaltes Segel, ein halbes Boot, ausgeschnittene Fotos von Politikern, Sklaven und Soldaten: es ist ein Reichtum an Motiven, die Anna Boghiguian zu einer Installation erlebter Geschichte zusammengesetzt hat. Hinter den fragilen Papierarbeiten ahnt man politische Inhalte, beim näheren Betrachten der Installation kristallisieren sich einzelne Themen heraus: die Geschichte des Handels, Sklaverei, Kolonialismus, Konflikte und Kriege, Machtverteilung und damit verbundene Ungerechtigkeiten; Vergangenheit und Gegenwart fließen förmlich ineinander.

Boghiguian schafft die Zeitsprünge zu einem historischen Narrativ zu verdichten, welches die aktuelle politische Situation in der Welt bricht und spiegelt. Fein ausgearbeitete Diskurse mit historischen Fakten kombiniert, zeichnen eine kritische künstlerische Auseinandersetzung mit den Sujets. Wie in einem Buch reiht Boghiguian sequenzartig ihre Zeichnungen, Kollagen und Malerei aneinander, gibt dem Narrativ eine Richtung vor. Aus dickem Papier schneidet sie Cut-Outs, die im Raum freistehend einen formalen Übergang zwischen dem Zweidimensionalen und dem skulpturalen Moment schaffen. Die gefundenen Gegenstände - wie Segel oder Boot bzw. Elementen aus der Natur wie Muscheln und Bienenwaben - vervollständigen die Inszenierung. Anna Boghiguian bedient sich dabei gerne der Schrift: Unzensiert auf Papier, Leinwand, sogar direkt auf Wand geschrieben, ermöglicht sie eine punktuelle Konkretisierung des Dargestellten.

Anna Boghiguian malt Gehirne, die sinnbildlich für die Komplexität des Denkens, Fühlens und Handelns stehen; es ist das menschliche Sein, das sie erforscht. Die Gehirn-Bilder kombiniert sie mit Körperteilen des Wahrnehmens - Augen, Ohren, Mund - und markiert somit den Anfang als auch das Ende eines jeden Narrativs. Darüber hinaus hinterfragt die Künstlerin zwischenmenschliche Verhältnisse und deren Konsequenzen. In ihrer Arbeit prangert sie Sklaverei, Kolonialismus, den Ersten und den Zweiten Weltkrieg sowie aktuelle (rechts-)populistische Strömungen an. Der kritische Ansatz der Künstlerin wird durch den expressiven Duktus weiter unterstrichen, gleichzeitig durch die poetische Erzählweise relativiert.

Anna Boghiguian wurde 1946 in Kairo, Ägypten geboren. Sie hat Politikwissenschaften an der Amerikanischen Universität in Kairo, Ägypten sowie Kunst und Musik an der Concordia University in Montreal, Kanada studiert. Im September 2017 wurde ihre Retrospektive im Castello di Rivoli, Turin eröffnet. 2017 widmeten ihr INDEX – The Swedish Contemporary Art Foundation, Stockholm und 2016 Carré d’Art, Nimes jeweils eine Einzelschau. In den vergangen Jahren wurden ihre Werke zudem im Rahmen zahlreicher internationaler Gruppenausstellungen gezeigt, unter anderem im Centro dos de Mayo, Madrid (2016), Van Abbemuseum, Eindhoven (2015), dem Armenischen Pavillon auf der Biennale in Venedig (2015), der Istanbul Biennale (2015), New Museum, New York (2014), der Sao Paolo Biennale (2014) und auf der Documenta 13, Kassel (2012). Ihre Arbeiten sind Teil namhafter internationalen Sammlungen wie dem MoMA, New York, dem Art Institute of Chicago und der Castello di Rivoli Museo d'Arte Contemporanea, Torino.

ANNA BOGHIGUIAN

The People's People
08.11.17  -  20.01.18

Während man hinter dem Titel der aktuellen Einzelausstellung von Christine Streuli – Nachtschattengewächse - das Unscheinbare vermutet, bezieht sich die Künstlerin in ihren Arbeiten auf die medizinische, sogar mystische Herleitung des Namens und auf die Wirkung der Pflanzen dieser Familie. Denn derer hohen Gehalt an Alkaloiden und Steroiden verdanken Nachtschattengewächse ihre Bedeutung als Medizin-, Rausch- und Kultpflanzen. Ihre halluzinogenen Eigenschaften und die damit verbundene „erweiterte“ Wahrnehmung stehen sinnbildlich für das Moment der Übersteigerung als Grundidee der neuen Arbeiten. Nicht nur die großen Formate der Gemälde deuten darauf hin, auch Form und Farbigkeit des Dargestellten übersteigert die Grenzen des Offensichtlichen.

Dabei geht das Interesse an pflanzlichen Motiven auf Andy Warhols Serie Flowers aus dem Jahr 1964 zurück. Zitieren als künstlerisches Mittel hat sich Christine Streuli vor Jahren angeeignet. Die Elemente der Pop-Art oder der Werbeästhetik sind oft wichtige Impulse, an denen sich Streulis Malerei reibt und entwickelt. Erkennbare Formen, Muster und Motive werden durch den präzisen Farbauftrag neu konnotiert, die Spannung zwischen Figuration und Abstraktion geschaffen. Die Präsenz dieser Ambivalenz wird in den neuen Arbeiten gesteigert: Der bisher vollkommen kontrollierte Malvorgang wird mit den Farbspritzern und Farbausläufen Platz ergänzt. Die strenge Komposition erscheint dadurch aufgelockert, die Fläche der Leinwand gedanklich überschritten.

Die neuen, eigens für die Ausstellung geschaffenen Arbeiten werden mit der 2016/17 entstandenen Serie Warpaintings kombiniert, deren Ausgangspunkt Camouflage-Muster sind. Die Formen dieser militärischen Tarnmuster, akkurat auf Leinwand übertragen, haben ihre Erdtöne und militärische Anmutung an die leuchtenden, fast übersteigert grellen Farben verloren und sind zum Fundament einer abstrakt-expressiven Malerei geworden. Hinter der formalen Farbfassade suggerieren die Bilder den inneren Kampf der Künstlerin mit der Malerei, das ausgetragene Gefecht zwischen Farben und Leinwand.

Christine Streuli, 1975 in der Schweiz geboren, lebt und arbeitet in Berlin. Ihr Kunststudium hat sie an der Hochschule für Gestaltung in Zürich und an der Universität der Künste Berlin absolviert, wo sie heute als Gastprofessorin tätig ist. Im Frühjahr 2017 wurde die Künstlerin mit dem Fred-Thieler Preis der Berlinischen Galerie ausgezeichnet. Ihre Werke wurden in den vergangenen Jahren im Haus am Waldsee, in der Kunsthalle Zürich, im Kunstmuseum Luzern und in weiteren namhaften Institutionen ausgestellt. 2007 bespielte sie den Schweizer Pavillion auf der Venedig Biennale.

CHRISTINE STREULI

Nachtschattengewächse
06.09.17  -  29.10.17

In seinem Buch Solaris von 1961 beschreibt Stanislaw Lem den seltsamen, sich dem Verständnis der Menschheit entziehenden, gleichnamigen Planeten. Dieses Meisterwerk der Science-Fiction Literatur, die Erzählung einer Welt, die nur auf der Fiktion des Autors basiert, wurde bereits mehrfach verfilmt, für die Bühne adaptiert und hat zahlreiche Künstler inspiriert. Auch von Solaris angeregt, setzt sich Moritz Altmann in seinen neuen Arbeiten mit dem Thema des Unfassbaren, des Un-Gesehenen auseinander, dessen Darstellung ihm vergleichbar mit der Suche nach dem Abbild von Göttern erscheint. Ohne Klarheit über ihre Existenz und ihr Aussehen wird auf Bekanntes, auf die Möglichkeiten des Vorstellbaren zugegriffen und so verwundert es nicht, dass die meisten Götter visuell der physiognomischen Tradition der Menschen entsprechen.

Mit dem Ansatz, das Fiktive zu formen, arbeitet Moritz Altmann mit Knetmasse, intuitiv und mit beiden Händen gleichzeitig. Die symmetrische Modellierung definiert die fertigen Objekte und lässt sie assoziativ wirken: In den vielfarbigen Keramiken ist von organischen Gebilden bis hin zu Masken und Gesichter vieles erkennbar. Letztendlich mündet das Unbegreifbare in einer fast archaischen Form und die Deutung des Visualisierten schöpft sich aus dem Erinnerungsmaterial des jeweiligen Betrachters.

Während die Symmetriaden, so der Titel der obig beschriebenen Serie, eine noch nicht erfasste Form zu erschaffen versuchen, halten die Arbeiten der Serie Fragmente Momente der Dekonstruktion fest. Die Ausgangsformen, welche einer Art Röhren-Systeme oder gar Gitter-Muster sind, werden modifiziert und im künstlerischen Prozess sowohl zu scheinbar organischen Formen als auch zu Objekten verwandelt, die einer eher technoiden Ästhetik zuzuordnen sind.

Die Selbstverständlichkeit der Ausführung beider Werkserien deutet auf das vertraute Verhältnis des Künstlers mit dem Medium und dem Material. Am Anfang seines künstlerischen Werdegangs sehr auf Ornament-Systeme fokussiert, entfalten sich die neuen Werke von Moritz Altmann in eine abstrakte Richtung, welche in der aktuellen Ausstellung präsentiert wird.

Moritz Altmann, 1975 in Marburg geboren, lebt und arbeitet in München. Er hat Kunst an der Akademie der bildenden Künste in München und an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg studiert. 2010 erhielt er das Reisestipendium Neue Kunst in Hamburg.  In den vergangenen Jahren wurden seine Werke unter anderem in der Herbert-Gerisch-Stiftung in Münster, im Schloss Agathenburg oder im Museum für bildende Künste in Leipzig gezeigt.

MORITZ ALTMANN

Symmetriaden
08.09.17  -  29.10.17

Die 1970 in Warschau geborene Künstlerin verbrachte die ersten 16 Jahre ihres Lebens in Kairo und Bagdad, bevor sie ihr Studium in Paris, London und schließlich in den USA aufnahm. Ihre künstlerische Praxis, die in verschiedenen Kulturen verwurzelt ist, basiert auf Wissenschaft und Forschung. Aus einer fast futuristischen Perspektive hinterfragt Soliman in ihren Werken die Prozesse des Denkens und Handelns. Ihrer Arbeitsweise liegt stets die Auseinandersetzung mit musealen Artefakten oder wissenschaftlichem Material zu Grunde, deren gegenseitige Beeinflussung im Kontext unserer globalen Welt untersucht wird.

Ania Soliman ist an einem breiten Spektrum von Themen interessiert, die sie am Anfang historisch erforscht. Die aus der Recherche generierten Ideen werden im künstlerischen Prozess sowohl intellektuell durchdacht als auch körperlich erfahren. Das resultierende Werk ist dementsprechend mehrdeutig. Zum einen stellt es einen vom Unterbewusstsein der Künstlerin geleiteten Prozess dar, zum anderen ist es analytisch durchleuchtet und gesellschaftlich konnotiert. Der Moment des Unterbewussten spielt dabei eine wichtige Rolle: In einer Serie von Zeichnungen setzt sich Soliman mit Sigmud Freud und seiner Theorie des Unterbewusstseins, als eigentlichem Motor des menschlichen Handles, auseinander. Auch dem Objekt weist die Künstlerin eine bedeutende Rolle zu. Im Rahmen ihrer Ausstellung im Museum der Kulturen in Basel 2014 entstehen Arbeiten, die sich mit dem Objekten der anthropologischen Sammlung der Institution beschäftigen. Während diese auf die Eigenarten ihrer Herkunft hinweisen, hinterfragt Soliman ihre Bedeutung im Kontext der gesellschaftlichen Entwicklung und stellt fest wie sich das in europäischen Tradition stark präsentes Bild des Menschen als Maschine über die Jahrhunderte gewandelt hat. Dabei liegt das Interesse der Künstlerin sowohl an der menschlichen Körper als Maschine im wirtschaftlichen Prozessen als auch an der zunehmend wichtigem Thema der menschlichen Denkens als Maschine bzw. der künstlichen Intelligenz.

Ihr aktuelles Projekt Explaining Dance to a Machine  setzt sich mit genau diesem Thema auseinander. Der Ausgangspunkt des Projekts sind die tänzerischen Notationen des ungarischen Choreographen Rudolf von Laban, der in den 1920er Jahren ein Zeichensystem für das Festhalten von körperlichen Bewegungen entwarf. Auch Soliman zeichnet auf den großformatigen, in Enkaustik ausgeführten Diagrammen eine Art Choreographie. Ästhetisch in einer rasterhaften Klarheit komponiert, bilden diese den Auftakt für den performativen Teil der Arbeit und unterstreichen den inhaltlichen Schwerpunkt der Künstlerin, die sich in diesem Projekt mit künstlicher Intelligenz, Robotik und Bewegungsanalysen auseinandersetzt.

Ania Soliman lebt und arbeitet zwischen Paris und New York. Ihre Arbeiten wurden ausgestellt im Museum der Moderne in Salzburg (2016), dem Museum of Contemporary Art in Antwerpen (2015), auf der Whitney Biennale (2010), auf der 14. Istanbul Biennale (2015), dem Museum der Kulturen in Basel (2014) und dem Drawing Center in New York (2000, 2002).

ANIA SOLIMAN

Explaning Dance to a Machine
22.03.17  -  26.08.17

1966 in Saida, Libanon, geboren, gehört Akram Zaatari zu einem der wichtigsten Vertreter einer Künstlergeneration, die sich nach dem Bürgerkrieg mit konzeptuellen und medienkritischen Ansätzen der Thematik des Krieges und der Geschichte nähert. Aus dem Bedürfnis heraus die Geschichte der Region aus der subjektiven Perspektive festzuhalten, basiert Zaatari seine künstlerische Arbeit auf gesammelten Erinnerungen, Geschichten, Briefen, Tagebüchern, Fotomaterial. Durch die Auseinandersetzung mit den persönlichen Geschichten dieser Artefakte dokumentiert Zaatari gesellschaftliche Strukturen und historische Prozesse jenseits der offiziellen Geschichtsschreibung im Nahen Osten.

Zaatris künstlerische Praxis, für welche die Begriffe Erinnerung und Geschichte von zentraler Bedeutung sind, erfuhr mit der Gründung der Stiftung Arab Image Foundation (AIF) eine Erweiterung. Die Stiftung wurde von dem Künstler und zwei weiteren Fotografen 1997 in Beirut ins Leben gerufen und machte sich das Sammeln, Erforschen und Erhalten von Fotografien aus dem arabischen Raum zum Ziel. Mittlerweile befinden sich mehr als 600.000 Bilder in ihrer Obhut, die in den vergangenen Jahren als Inspirationsquelle und Material für Zaataris Werk und Projekte fungierten.

Die Ausstellung Unfolding zeigt unter anderem Werke aus dem Projekt el Madani, das sich der Fotosammlung der Arab Image Foundation bedient. Das Projekt baut auf Dialog und Interaktion zwischen dem Künstler und Hashem el Madani (1928 - ) auf, einem Fotografen, der in den späten 1940er und 1950er Jahren des vergangenen Jahrhunderts das Fotostudio Scheherezade in Saida betrieb und über die Zeit fast die gesamte Stadtpopulation ablichtete. Durch die Zusammenarbeit mit el Madani erforscht der Künstler die Bedeutung und Einfluss der Fotografie auf die Gesellschaft und ihre Wahrnehmung der Geschichte. Für die Arbeit Itinerary aus dem Jahr 2008 benutzt Zaatari el Madani’s Fotoserie der Ladenbesitzer in Saida als Ausgangspunkt. Er identifizierte und lokalisiert die Läden ein halbes Jahrhundert später, kartografierte die Stadt anhand seiner Befunde, ließ ihre Geschichte mit ihrer Gegenwart verschmelzen und schaffte so eine soziale Studie des Ortes.

Nicht nur das fotografische Werk el Madanis ist für Akram Zaatari von Interesse. Auch die vertraute Beziehung zwischen den beiden dient als Ausgangspunkt für sein künstlerisches Schaffen: Die Videoarbeit Endnote (2014) zeigt Akram Zaatari und El Madani im Studio Scheherezade, wie sie nebeneinanderstehend auf den Bildschirm des vor ihnen aufgeklappten Laptops starren. Aus dem Computer ist sehr laute arabische Musik zu hören, im Hintergrund beleuchten wechselnde Lichtstrahlen den Raum. Die beiden Protagonisten scheinen sich weder an der Musik noch an dem Licht zu stören. Über die gesamte Länge des Films schauen sie konzentriert auf den Bildschirm.

Akram Zaatari lebt und arbeitet in Beirut. Seine Werke befinden sich in renommierten internationalen Sammlungen: Tate, London; MoMA, New York; Museum of Contemporary Art, Chicago; Centre Georges Pompidou, Paris; Walker Arts Centre, Minneapolis und Hammer Museum, L.A.. In den vergangenen Jahren hatte er Einzelausstellungen in bedeutenden Institutionen weltweit: Kunsthaus Zürich (2016), Moderna Museet, Stockholm (2015), Wiels Contemporary Art Center, Brüssel (2014), Museum of Contemporaray Art, Chicago (2013), SFMOMA, San Francisco (2012), usw. Auf der 55. Biennale in Venedig bespielte er den Libanesischen Pavillion. Zur Zeit bereitet er seine nächste große Einzelausstellung Against photography im Museum für Zeitgenössische Kunst MACBA in Barcelona vor.

AKRAM ZAATARI

Unfolding
02.02.17  -  18.03.17

Etel Adnan ist Künstlerin, Schriftstellerin, Dichterin und Philosophin. Sie wurde 1925 in Beirut geboren. Angesichts ihrer griechischen Wurzeln mütterlicherseits und der syrischen Herkunft des Vaters, sowie ihrer libanesischen Heimat, wuchs sie an der Schnittstelle verschiedener Kulturen, Sprachen, Nationalitäten und Religionen auf. 1949 ging sie für ihr Philosophiestudium nach Paris und kurz darauf nach Kalifornien, wo sie bis in die 90er Jahre lebte. Als Stimme des kulturellen Diskurses blieb sie stätig ihrer Heimat erhalten und gilt heutzutage als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Kunst und Literatur des Nahen Ostens.

Der Kernbestandteil ihres künstlerischen Schaffens ist die Malerei. Anfangs malte Adnan abstrakte Bilder, die sie um ein rotes Quadrat konzipierte. Später wurden Landschaften zum Hauptthema. Diese stellte die Künstlerin in verschiedenen Manieren und Farbpaletten dar, von reduzierten Farbfeldern und Formen, in üppigen kontrastreichen Farben oder Ton in Ton bis hin zu erkennbaren Reminiszenzen aus der Realität. Konstant blieben dabei immer das kleine Format der Leinwände und die Landschaften. Manche Motive begleiteten sie sogar über die Jahre. In der Tradition von Cezanné’s Monte Victoire, fasziniert von dem Berg Mount Tamalpais, den sie vom Fenster ihrer Wohnung in der Nähe von San Francisco sehen konnte, malte Etel Adnan das Motiv unzählige Male, aus allen Perspektiven, bei jedem Tageslicht.

Die aktuelle Ausstellung versammelt Arbeiten der Künstlerin, die ein ganzes Medienspektrum bedienen. Die kleinformatigen Ölbilder werden zusammen mit den Zeichnungen und drei neuen Wandteppichen ausgestellt. Kombiniert werden sie mit den Leporellos, die inhaltlich, aber auch formal einen Übergang vom zeichnerischen ins literarische Werk der Künstlerin schaffen. Diese ausfaltbaren Büchlein stellen eine Symbiose zwischen dem, mit der Tusche geschrieben Wort und den malerischen Elementen dar. Über das geschriebene Wort hinaus hält die Ausstellung auch bewegte Bilder fest, Studien von Orten und Augenblicken, die Etel Adnan auf einem 8mm Film drehte. Letztendlich scheint es fast so, als ob die Grenzen zwischen allen Arbeiten und Formen verschwinden und zu einem Gesamtkunstwerk  verschmelzen.

Im Rahmen der documenta 13 in Kassel (2012) stellte Carolyn Christov-Bakargiev die Werke von der wenig bekannten Künstlerin aus, wodurch die damals 87-jährige Etel Adnan zu einem Weltstar wurde. Seit dem hatte sie Einzelausstellungen in der Serpentine Gallery, London (2016), im Institut de Monde Arab, Paris (2016), im Haus Konstruktiv, Zürich (2015), im Museum der Moderne, Salzburg (2014), im Mathaf - Arab Museum of Modern Art, Doha, (2014) und nahm an mehreren Gruppenausstellungen teil, wie im Museo Riso, Palermo (2015), an der Sharjah Biennale (2015), im New Museum, New York (2015) und an der Whitney Biennale, New York (2014). Parallel dazu wurde das literarische Werk der Künstlerin vielfach veröffentlicht. Das neueste Buch „Nacht“ erschien 2016; die jüngste Monografie wurde anlässlich der documenta 13 (2012) publiziert.

ETEL ADNAN

Painting · Drawing · Tapestry · Writing
26.10.16  -  28.01.17

Die künstlerische Praxis der 1978 in Beirut geborenen Künstlerin ist medienübergreifend. Durch Video, Malerei, Zeichnung, Stickereien sowie Performance und Installation hinterfragt Mounira Al Solh die sozial-politischen Konflikte im Libanon und greift dabei feministische und religiöse Problematiken auf. Ihr künstlerischer Zugang zu den Themen ist humorvoll und selbstreflexiv, die Ästhetik ihrer Werke wird durch Übersetzung der Realität ins Fiktive, gar Fantastische, erzeugt.

Den Auftakt der Ausstellung bildet das Video A la Santé des Alliés (2015), der in endlosen narrativen Anläufen versucht, die Begegnung zwischen den libanesischen und syrischen Vorfahren der Künstlerin zu skizzieren. Im Wechsel von Texteinblenden und dokumentarischen Aufnahmen wird die Familiengeschichte aus Perspektiven ihrer Mitglieder erzählt und illustriert zugleich die Geschichte des Libanons und Syriens, vor allem in den Zeiten des Panarabismus (1950er/1960er Jahre) sowie des Libanesischen Bürgerkrieges (1975-1990).

Das Schicksal der eigenen Familie wird zu einer überregionalen Realität, die Mounira Al Solh mit ihrer Malerei und Stickerei weiter aufgreift. Das Motivspektrum der Arbeiten bedient sich aktueller secondhand facebook-Seiten für Syrer und Beiruter im Libanon, die symbolisch sowohl für die Gesellschaft, die sich von vergangenen Kriegen bisher nicht erholt hat, als auch für die aktuellen Krisen der Region steht. Indem die Künstlerin die auf den secondhand Seiten angebotenen Objekte mit denen, die ihrer Familie lieb waren und in ökonomischen Engpässen verkauft werden mussten, kombiniert, verwurzelt sie die eigene Biografie in den sozial-historischen Kontext der Region.

Mounira Al Solh studierte Kunst an der Libanesischen Universität in Beirut, an der Gerrit Rietveld Akademie und Rijksakademie in Amsterdam. Einzelausstellungen der Künstlerin fanden bisher in ALT Istanbul (2016), KunstWerke Berlin (2014), Sfeir-Semler Gallery Beirut (2014), Centre for Contemporary Art Glasgow (2013), Art in General New York (2012), Stedelijk Museum Bureau Amsterdam, Niederlande (2011) und Kunsthalle Lissabon (2010) statt. Sie nahm an zahlreichen internationalen Gruppenausstellungen wie 56. Venedig Biennale (2015), Here and Elsewhere, New Museum, New York (2014), Homeworks, Beirut (2013), Haus der Kunst, München (2010), 11. International Istanbul Biennal (2009) sowie 52. Venedig Biennale (2007) teil.

MOUNIRA AL SOLH

I Want to be a Party
29.08.16  -  21.10.16

Die Zusammenarbeit mit MARWAN geht bis auf das Jahr 1987 zurück, als die erste Einzelausstellung des Künstlers in unserer Kieler Galerie stattfand. Der folgten Ausstellungen in unseren Räumen in Hamburg und Beirut, sowie auf den internationalen Kunstmessen. Dabei hervorzuheben  ist die retrospektive Ausstellung von 2009, die wir anlässlich seines 75. Geburtstags in Hamburg zeigten.

In Damaskus 1934 geboren, immigrierte Marwan 1957 nach Berlin, wo er Malerei an der HdK studierte (1957-1963) und später lehrte. Bereits damals flossen die Einflüsse der deutschen Moderne und arabischer Kulturwelt in seinen Arbeiten ineinander. Daher wundert es nicht, dass sich Marwan über die Jahrzehnte gleichzeitig zu einem bedeutenden Vertreter der deutschen Nachkriegskunst sowie zu einem der wichtigsten Maler der Moderne im arabischen Raum etabliert hat.

Während sich die meisten Künstler seiner Generation für den unterkühlten, gesellschaftskritischen Realismus begeisterten, entschied sich Marwan dem Zeitgeist entgegen zu steuern, die Gefühlswelt in die Malerei zurückzubringen: Er wurde zu einem künstlerischen Einzelgänger und zum Erfinder der „pathetischen Figuration“, wie Eberhard Rothers anlässlich der Ausstellung in der Galerie Springer 1967 seine Kunst bezeichnete. Mit wiedererkennbarer expressiver Handschrift und pastösen Farbauftrag modelliert Marwan seitdem Gesichter auf Leinwänden, ein Motiv, das seit den 70er Jahren sein künstlerisches Werk bestimmt. In einem langwierigen Prozess der Übermalungen und jahrelanger Verwandlung entstanden, lohnt es sich Marwans Werke richtig anzusehen, ein oberflächliches Hinschauen reicht nicht. Denn die dargestellten „Köpfe“, auch wenn fast ausschließlich die Abbildungen des Künstlers selbst, sind keinesfalls individualistische Porträts, sondern viel mehr die Darstellungen einer geistigen Landschaft, einer emotionalen Sphäre, einer Projektionsfläche der menschlichen Seele.  Die aktuelle Galerieausstellung zeichnet exemplarisch die Geschichte dieser “Selbstbildnisse“ von 1985 bis 2014 nach.

MARWAN

Painting
28.04.16  -  28.08.16

Rabih Mroué ist Performer, Theatermacher, bildender Künstler und Schauspieler. Mroué ist wohl der wichtigste Performer aus dem arabischen Raum. Seit seiner ersten Einzelausstellung in der Galerie 2010 hat er sich zu einem der führenden Performern weltweit entwickelt. Er erhielt 2010 den renommierten Spalding Grey Award und 2011 den Prince Claus Award.

Die aktuelle Ausstellung zeigt neue Arbeiten des Künstlers zu den Themen Krieg und Flucht, vor allem im Bezug auf den Libanonkonflikt 2006 bis hin zum akuellen syrischen Bürgerkrieg. Seine Installation auf der dOCUMENTA (13) beschäftigte sich bereits mit der Lage in Syrien ganz zu Beginn der Revolution, zu einem Zeitpunkt, zu dem die internationalen Medien diese noch weitestgehend ignorierten. Heute dominiert das Thema im Zuge der derzeitigen Flüchtlingsströme und humanitären Krise die westliche Medienlandschaft. Die Arbeiten von Mroué hinterfragen die visuelle Darstellung von Kriegsgeschehen in der Fernsehberichterstattung, in den Printmedien sowie den sozialen Netzwerken. Charakteristisch für sein künstlerisches Schaffen und geprägt von seiner Arbeit als Theatermacher bedienen sich seine neuen Arbeiten stets verschiedener Bausteine wie Sound, Text, Fotografie, Video und verbinden diese zu einer Gesamtinszenierung. Der Betrachter wird zum Komplizen und Akteur - er ist Teil der Ausstellung. Die multimediale Installation wird bei näherer Betrachtung zu Kabinetten des Schreckens. Sie zeigen Menschen gefangen inmitten von Katastrophen ohne mögliche Auswege. Jedes Kabinett begleitet eine eigene Tonspur. Sie ermöglicht es dem Betrachter, die jeweilig untergründige Geschichte zu re-aktivieren und sie vor dem eigenen Hintergrund zu re-imaginieren. Einige hundert Miniaturcollagen mit Ausschnitten von aktuellen Kriegs- und Fluchtbildern treten dem Betrachter als offenes Cluster entgegen und betonen die vermeintliche Zeugenschaft von Bildern, die als eigenständige Masse medial zirkulieren. Die Ausstellung beinhaltet zudem Fotografien, die der Besucher aktiv entdecken muss, sowie Videoarbeiten, die Bezüge zum libanesischen Bürgerkrieg aufweisen. Sie analysieren anhand von Anekdoten, Details und ganz persönlichen Geschichten, die Komplexität ziviler Konflikte. Der Künstler schafft einen dramatischen Raum. Er versteht es seine Themen so zu inszenieren, dass sie dem Betrachter vom Voyeur zum Mitschuldigen in die Verantwortung ziehen. 

Rabih Mroué (*1967) lebt und arbeitet in Beirut und Berlin. Seine komplexe und diverse künstlerische Praxis umspannt unterschiedliche Disziplinen und Formate aus Theater, Performance und Bildender Kunst. Er ist eine Schlüsselfigur einer neuen Generation kritischer Stimmen aus dem Libanon. Unter Verwendung von Fiktion als auch einhergehender Analyse als Werkzeuge greift Mroué gegenwärtige Realitäten auf. Er erforscht die Verantwortlichkeit von Künstlern politische und kulturelle Kontexte zu vermitteln. Seine Arbeiten verhandeln Themen, die im aktuellen politischen Klima des Libanons verschwiegen werden, und greift somit präsente Narben des libanesischen Bürgerkrieges wie auch jüngste politische Ereignisse auf.

Einzelaussellungen umfassen: Kunsthalle Mulhouse (2015); Centro de Arte Dos de Mayo, Madrid (2013); Kunstverein Stuttgart (2011); und BAK, Utrecht (2010). Rabih Mroué nahm an bedeutenden thematischen Gruppenausstellungen teil: MACBA, Barcelona (2015); SALT, Istanbul (2014); dOCUMENTA (13), Kassel (2012); Performa 09, New York (2009); 11th International Istanbul Biennial (2009); Queens Museum of Art, New York (2009); Centre Pompidou, Paris (2008) sowie Tate Modern, London (2007). Performances und Screenings wurden präsentiert im MoMA, New York (2015); Kampnagel, Hamburg (2011); Ashkal Alwan, Beirut (2000-2015); Hebbel-Theatre, Berlin (2004); und jüngst seine Performance Ode to Joy in den Kammerspielen, München (2016) und dem Walker Art Center, Minneapolis (2016), während seiner jünsten Nordamerika-Tournee.

RABIH MROUÉ

I was fortunate not to have seen what the others had witnessed
10.02.16  -  23.04.16

Die Galerie Sfeir-Semler freut sich, die erste Einzelausstellung des ägyptisch-deutschen Künstlerduo Jasmina Metwaly & Philip Rizk präsentieren zu dürfen. Ausgehend von dem Filmprojekt Out on the Street entwickelten die Künstler für den Deutschen Pavillon auf der diesjährigen Biennale di Venezia eine begehbare Rauminstallation. Die Präsentation in den Hamburger Räumen der Galerie Sfeir-Semler verdichtet nun alle Elemente des Projektes zu einer geschlossenen Ausstellungserfahrung.

Anlässlich der Eröffnung am 04. Dezember 2015, 17:30 Uhr, findet eine Vorführung des Films Out on the Street, 2015 im Alabama Kino auf Kampnagel statt. Florian Ebner, Kurator des Deutschen Pavillon 2015, wird im Anschluss mit den beiden Künstlern über das Projekt, die politische Situation in Ägypten und die Auswirkungen im globalen Kontext in Folge kriegerischer Konflikte in der arabischen Welt debattieren.

Out on the Street ist ein Film über eine Gruppe von Arbeitern in Helwan, einem Arbeiterviertel in Kairo. Zehn Fabrikangestellte nehmen an einem Schauspiel-Workshop teil. Während der Proben kommen Themen wie Ungleichbehandlung am Arbeitsplatz, Polizeibrutalität oder erfundene Strafgelder auf, sowie unzählige Geschichten von Korruption und Ausbeutung durch kapitalistische Arbeitgeber. Ein Studio auf einem Hausdach mit Blick über das Herz von Kairo fungiert als Raum zwischen Realität und Fiktion. Hier tauchen die Workshopteilnehmer in ihre Rollen hinein und wieder aus ihnen heraus, und entwickeln dabei ein Stück, das sich mit ihrer Alltagsrealität befasst.

Out on the Street verbindet Szenen aus dem Workshop mit gespielten Szenen und Handy-Aufnahmen eines Arbeiters, die als Beweis vor Gericht im Kampf gegen die Abschaffung seines Arbeitsplatzes dienen sollen. Die hybride filmische Herangehensweise zielt darauf ab, eine kollektive Vorstellungswelt zu schaffen, die Workshopteilnehmer und Zuschauer in einem weiter gefassten sozialen Kampf miteinander vereint.

„Die Idee für das Projekt entstand aus einem Gefühl der Limitierung im dokumentarischen Schaffen. Seit 2011 arbeiten wir gemeinsam an kurzen Videos, die wir auf der Straße, in Fabriken, bei Demonstrationen und Sitzstreiks in ganz Ägypten gefilmt haben – mit dem Anliegen, das breite Spektrum sozialer und politischer Kämpfe zu dokumentieren. Im Falle der Arbeiter sind wir zu ihnen gegangen, um ihnen zuzuhören, zu filmen, und die verschiedenen Ebenen ihres Kampfes zu verstehen. Dort, wo eine bessere Bezahlung oder bessere Arbeitsbedingungen nur die Spitze des Eisbergs bedeuten, wollten wir das herausfinden, was im Verborgenen liegt, Hierarchien und soziale Manipulation, arbeitsbedingte Krankheit und Verletzungen – bis hin zu Todesfällen. Es geht immer um Ausbeutung und systematische Korruption, um die Auswirkungen eines Kapitalismus, der sich immer tiefer in das Leben der Menschen einschreibt. [...] Wir wollten keinen Film machen, der die harte Wirklichkeit in ein ‚Erlebnis‘ verwandelt, sie zur Unterhaltung nutzt. Unser Ziel ist vielmehr eine Neubewertung der Vergangenheit und die Visionierung dessen, was die Zukunft bereithalten könnte. [...] “

JASMINA METWALY & PHILIP RIZK

Out on the Street - Variations
04.12.15  -  31.01.16

Die Künstlerin Barbara Camilla Tucholski ist eine intensive Beobachterin, als Malerin und im besonderen Maße als Zeichnerin. „Straßen“ ist der Titel ihrer neuen Ausstellung, die sie eigens für die Galerie Sfeir-Semler konzipiert hat. Gezeigt werden fünf  Zeichnungszyklen, die an unterschiedlichen Orten entstanden sind: Loitz, Ovelgönne, Rom, Wien, Berlin, Orte mit biographischen Bezügen.

In einer teils kantigen, teils weichen, teils versponnenen Strichführung zeichnet Barbara Camilla Tucholski Straßenlinien, Straßennetze, Biegungen und Streckenverläufe von Straßen. Die Zeichnungen sind dabei reduziert und zart konturiert.  In ständiger Wiederholung werden verschiedene Straßenkompositionen durchexerziert. Die Umwandlung des Gesehenen mit dem Bleistift auf das Zeichenpapier ist jedoch rasch, pointiert. Mit nur wenigen Strichen versucht sie zum Wesen der Dinge vorzudringen. Diesem so spontanen Zugriff auf das Wesentliche gehen das intensive Beobachten und die künstlerische Idee voraus.

Barbara Camilla Tucholskis Zeichnungen sind Zeugnisse ihres Sehens, Wahrnehmens und ihrer fortwährenden Auseinandersetzung mit den Themen Raum, Heimat und Identität. Die Künstlerin entwickelt in ihren Zeichnungen eine Sehweise, die sich von der etablierten Zentralperspektive löst zu Gunsten einer vielschichtigen Verknüpfung von Standorten und Fluchtpunkten. Die hier ausgestellten Sraßenzeichnungen zeigen eine in Zeit und Raum persönlich hergestellte Vernetzung von Beziehungen als Kontrapunkt zur Virtualität digitaler Vernetzung.

Barbara Camilla Tucholski wird 1947 in Loitz, Vorpommern, geboren. Die deutsche Teilung veranlasst die Familie zur Flucht in den Westen. Barbara Camilla Tucholski studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und an der Universität Bonn. Die Künstlerin stellte u.a. in der Albertina in Wien, im Drawing Center New York, in der Kunstsammlung Schwerin, Kunsthalle zu Kiel, Bonner Kunstverein, Morat Institut Freiburg, Kunsthalle Rostock, dem Kunstmuseum Düsseldorf und in der Frac Picardi, Amiens aus. Ihre Arbeiten sind in zahlreichen Sammlungen vertreten.

BARBARA CAMILLA TUCHOLSKI

Straßen
30.08.15  -  31.01.16

Timo Nasseri (*1972) eröffnet durch sein Spiel mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, die Perspektive für das Fantastische und Poetische. Das Leben und die Lehre Ali Muhammad bin Hassan bin Muqlas, auch bekannt als Ibn Muqla (Bagdad,*885/6), ist die Inspirationsquelle für die eigens für die Galerie Sfeir-Semler vom Künstler entwickelte Ausstellung „The more beneath my feet the skies I see“. Ibn Muqla war ein begnadeter Kalligraf und gilt als großer Reformer der arabischen Schrift. Noch heute ist sein auf Punkten als Grundeinheit beruhendes System einer ästhetischen Schrift gültig. Im Arabischen werden Buchstaben gesprochen, die nicht geschrieben werden können. Nach diesen vier „fehlenden“ Buchstaben -P, O, E und einem „weichen“ W- suchte Ibn Muqla. Durch seine Reformabsichten fiel er bei den fundamentalistischen Geistlichen in Ungnade. Sie waren der Auffassung, die arabische Schrift sei von Allah geschaffen und dürfe nicht von Menschenhand verändert werden. Der Kalligraf weigerte sich sein Versteck für die neu entwickelten Buchstaben zu verraten. Zur Strafe hackte man ihm die rechte Hand ab. Ibn Muqla gründete daraufhin eine Schule, um seine Lehre wenigstens mündlich überliefern zu können. Als die Gelehrten auch davon erfuhren, schnitten sie ihm zur Strafe die Zunge ab und hielten ihn bis zu seinem Tode in Einzelhaft gefangen.

Anknüpfend an die Geschichte Ibn Muqlas hat sich Timo Nasseri intensiv mit der arabischen Schrift und deren Form auseinander gesetzt. Nasseri vertritt die These, dass Ibn Muqla um 934 die vier fehlenden Buchstaben aus den Konstellationen von Sternenbildern ableitete. Hundert Jahre zuvor hatte es bereits eine erste Reform der arabischen Schrift gegeben in der der sogenannte diakritische Punkt, ähnlich unserem i-Punkt, eingeführt wurde. Nasseri geht davon aus, dass auch dieser Punkt aus dem Sternenhimmel abgeleitet worden war. Der diakritische Punkt gleichsam ein Stern, der den Suchenden an sein Ziel führt.  Die monumentale Wandtafel mit Stahlintarsien auf Holz bezieht sich auf die Entdeckung des diakritischen Punktes. In einer zweiten Einlegearbeit rekonstruiert Timo Nasseri mit Hilfe eines speziellen Computerprogramms den Sternenhimmel über Bagdad im Frühjahr 934. Unter präziser Anwendung der daraus entstandenen Pläne und der astronomischen Vermessungssysteme jener Zeit nähert er sich möglichen Buchstabenformen und vollzieht dabei die Entwicklung der fehlenden Buchstaben bis ins Detail. Dieser Vorgang wird durch eine Vielzahl von Zeichnungen dokumentiert und zu einer „mind map“ gruppiert. Gleichsam als Schlusspunkt ergeben sich zwei Holzskulpturen, die zwei mögliche der vier „fehlenden“ Buchstaben Ibn Muqla’s darstellen. Das Werk thematisiert Unendlichkeit und Grenzenlosigkeit, Transzendenz und Metaphysik im Kontext des großen Ganzen; die Schrift als Anfang und als Ende.

TIMO NASSERI

The Unknown Letters
30.08.15  -  21.11.15

BERT DE BEUL, ELGER ESSER, IAN HAMILTON FINLAY

BERT DE BEUL, ELGER ESSER, IAN HAMILTON FINLAY

BERT DE BEUL, ELGER ESSER, IAN HAMILTON FINLAY
23.04.15  -  21.08.15

Die Ausstellung ist die erste Einzelausstellung von Rayyane Tabet in Deutschland und präsentiert zwei neue skulpturale Installationen, Papierarbeiten sowie eine orts- und zeitbezogene Wandzeichnung.

Waiting For A Manifestation  ist eine vor Ort gefertigte Wandzeichnung im Erdgeschoss der Galerie. Sie besteht aus Strichlisten, die während der Installationsphase der Ausstellung mit Bleistift an die Wand gezeichnet werden. Strichlisten sind eine der ältesten Formen des Zählens und ermöglichen v.a. den Überblick zu behalten bei Prozessen, deren Ende nicht abzusehen ist. Durch Ausstellen dieses zeitlosen Zählsystems, welches sowohl Zeit als auch Raum (aus-)kreuzt, wird Raum zur Interpretation geöffnet. Die Arbeit changiert zwischen der konkreten Natur des Zeichenaktes und der abstrakten Qualität der ihr beigemessenen Bedeutung.  

In der Mitte des Galerieraumes ist  Achilles’ Heel (Achilles Ferse)  positioniert: eine Bank bestehend aus vier Knochen und einer eisernen Kugelstoßkugel. Die Arbeit basiert auf Astragaloi ein altgriechisches Geschicklichkeits-Spiel vergrößert jedoch die einzelnen Elemente. Daraus resultiert, dass zum einen das Spiel seinen ursprünglichen Nutzen verliert. Zum anderen entsteht ein Unbehagen gegenüber der eigentlichen Handlung und vor allem dem Ausgangsmaterial.

Colosse Aux Pieds D’Argile,  eine raumgreifende Skulptur aus Marmorsäulen und Betonzylindern, transformiert die erste Etage der Galerie zu einem weiten Feld. Die Säulen wurden von einer Beiruter Villa aus dem 19. Jahrhundert entnommen, welche  mutwillig  von einer Gruppe Arbeiter zerstört wurde, um den resistenten Besitzer zum Verkauf zu bewegen. Die Betonzylinder sind Materialproben für den Bau eines Wolkenkratzers, der im Anschluss auf dem Grundstück errichtet wurde.

Die Arbeit konfrontiert zwei Varianten desselben architektonischen Elements: der Säule. ­Beide wurden von jenem Ort entwendet, wo einst die Villa stand und heute der Wolkenkratzer. Zusammen    dokumentieren sie eine Zeitspanne von hundert Jahren urbaner Entwicklung.  Sowohl die Villa als auch der Wolkenkratzer reflektieren die Vorstellung, wie Leben gelebt/ gewohnt werden soll. Beide dienen als Ideenmodell dafür, wie unser Umfeld immer von neuem konstruiert, de- oder rekonstruiert wird. Beide wurden verwendet, um Konzepte von Modernität einzuführen und jedes beinhaltet in sich den Kern des eigenen Verfalls.

Rayyane Tabet (1983, Ashqout, Libanon) ist ein Künstler, der die Beziehungen zwischen Geschichte und gelebter Umwelt thematisiert. Seine facettenreichen Installationen überbrücken die Distanz von physikalischer und temporaler Wahrnehmung. Er besitzt einen Bachelor-Abschluss in Architektur von der Cooper Union University in New York sowie einen Master of Fine Arts der Universität von Kalifornien in San Diego. Seine Arbeiten wurden bereits im Stedelijk Museum Bureau in Amsterdam, Centre Georges Pompidou in Paris, Darat al Funun in Amman, als auch dem New Museum in New York ausgestellt. Er ist teilnehmender Künstler der 12. Sharjah Biennale, die am 05. März 2015 eröffnet.

RAYYANE TABET

ONLY GODS NEVER DIE
29.01.12  -  28.03.15
The new space of Sfeir-Semler Hamburg
05.09.13  -  26.10.13

CHRISTINE STREULI - collar size / Kragenweite: 36

Wir freuen uns, die Schweizer Malerin Christine Streuli zu ihrer mittlerweile vierten Einzelausstellung in der Galerie Sfeir-Semler begrüßen zu dürfen.  

Die Künstlerin hat dieses Mal die Räume der Galerie komplett verändert, umgestaltet und in ihre Malerei einbezogen.   Die Ausstellung thematisiert die Handlung des Malens an sich. Der Pinselstrich auf der Leinwand, Malen als Prozess, die Wirkung von Farbe und Raum werden hinterfragt.  

Konsequenterweise wird der Ausstellungsraum selbst Teil ihrer Malerei. "Kragenweite: 36"   ist in enger Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten der Galerieräume entstanden. Der charakteristische Holzboden der Galerie wird von der Künstlerin als Tapete an die Wand gespiegelt. Diese Parkett-Tapete verändert die Raumwahrnehmung des Betrachters, zeigt vor allem aber die installativen und raumverändernden Potentiale ihrer Malerei.  

Der Gestus ist nicht spontan oder emotional, sondern ein analytischer, sezierender Akt mit kritischer Distanz zur Malhandlung. Christine Streuli malt also Malerei! Sie porträtiert den Mal-Duktus, den Pinselstrich auf eine Leinwand. Malen wird zum Bildinhalt, ihre Bilder sind immer eine konkrete Darstellung von Malerei.   Sei es durch die Gestaltung und Veränderbarkeit von Raum durch Farbe, Pinselstriche und Muster, sei es durch die Auslotung und Erkundung der malerischen Spannungen zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion.

Die Bilder balancieren   zwischen Abstraktion und Gegenstand.   Sie vereinen FARBE mit floralen und geometrischen Mustern. Die in Hamburg ausgestellten vier großformatigen   Diptycha sind Stammbäume. Sie erinnern und zitieren historische, traditionell weibliche Tätigkeiten. Sie verleihen der Malerei also einen biographischen Bezug. Jedes dieser Bilder mit dem Titel "Sampler_Origin" trägt die Jahreszahlen 1975 und 2014, die bisherige Lebensspanne der Künstlerin.  

Die Ausstellung   wird so zu einer Art Selbstporträt: sei es durch die Einladungskarte, das mit Farbe befleckte Arbeits-T-Shirt der Malerin, das als Edition angeboten wird, oder durch den mit einer Holztapete getäfelten Raum, der an die Holzarchitektur der Schweizer Heimat erinnert, und nicht zuletzt   durch die auf den Leinwänden dargestellten Stammbäume mit Stickmustern und Pinselstrichen.  

Christine Streuli wurde 1975 in der Schweiz geboren. Sie verbrachte jährlich die Urlaube Ihrer Kindheit bei ihren Großeltern in Tunesien. Sie studierte in Zürich und in Berlin. Sie war Teilnehmerin des International Studio and Curatorial Program New York (2001/02) und erhielt das Yvonne Lang-Chardonnens-Stipendium (2002) sowie ein Stipendium in San Francisco (2005). Streuli war 2003 artist in residence in Kairo, Ägypten, Sie lebte 2010 in London und seitdem in Berlin. 2004, 2005 und 2006 erhielt sie den Swiss Art Award des Bundesamts für Kultur, Schweiz und 2003 den Kiefer-Hablitzel Preis. Christine Streuli hat 2007 den Schweizer Pavillon der Biennale in Venedig bespielt, 2014 war sie Teilnehmerin an der 19. Sydney Biennale in Australien. Sie hatte Solo Ausstellungen u.a. in der Kunsthalle Zürich, 2013 im Kunstmuseum Luzern, 2013 im Haus am Waldsee, Berlin.  

Christine Streuli

collar size / Kragenweite 36
16.05.14  -  23.08.14

Neue Informationen in Vorbereitung

BALTHASAR BURKHARD

in memoriam

 

HAMBURG, 31. January 2014  

 

We are proud to invite you to the opening of an exhibition in memory of our friend and gallery artist  

Balthasar Burkhard on Friday 31January from 7 to 9 pm in the Hamburg Gallery.  

 

The author and theorist Hubertus von Amelunxen will give a laudatio in the honor of the artist at 8pm.

 

This show will include works produced between 1987 and 2010 with a focus on the Beirut project from 2006, "the Sevillia nudes” from 2007, and his last explorations of landscapes and still lives in color.  

 

Balthasar Burkhard was born 1944 in Bern, Switzerland where he lived and worked until 2010. His photographic projects took him all over the world from the temples of Japan to the rainforests of Brazil, to mega cities across three different continents, to the deserts of Namibia, to the Swiss mountains and waterfalls. The artist pulls his viewers through a range of experiences and perspectives, drawing the eyes from extreme close-ups to panoramic landscapes taken from high above the earth.  

 

Considered a pioneer of large format black and white photo printing, Burkhard’s engagement with the micro and macro is also reflected in the range of silver print sizes, spanning from the small to the huge. It is only in the very last years of his life that he printed in color.

 

From the personal to the universal Burkhard’s minimal and concrete photography speaks in a language that is difficult to put in words but resonates with a recognizable truth to the viewer.  

 

The show runs from February 1st to April 12th 2014  

Opening hours: Tuesday to Friday 11 am to 6 pm, Saturday 12 pm 3 pm.

Balthasar Burkhard

in memoriam
31.01.14  -  12.04.14

Haig Aivazian (b. 1980, Beirut, Lebanon) is an artist, curator and writer. Using performance, video, drawing, installation and sculpture, his work weaves together personal and geo-political, micro and macro narratives in its search for ideological loopholes and short circuits. Aivazian holds an MFA from Northwestern University and is a Skowhegan alumni (2011).   His work has been exhibited in Europe, the Americas and the Middle East including the Sharjah Biennial 9 (2009) and Videobrasil (2013).

For this exhibition, Aivazian presents new sculptures, drawings and videos from his ongoing series Fugere, where the artist layers various histories of violence: from a highly televised rebuttal in response to racist insults on the pitch, to the occupation of inner-city neighbourhoods by police; and from the ascension onto an Olympic podium in the first post Soviet Games, to the weight of a dictator’s body as the trap door is released under his feet. History is not just entangled in sports, but also treated like a match, with freeze frames, replays and reverse angles. Here, the notion of time is malleable: the decades separating the release of two models of coveted basketball sneakers can be condensed into a frantic instant where two shoes are hurriedly thrown at an occupying president. These captured moments mark points of analysis that activate the spectator and hero alike, bringing the previously anonymous to the fore and making intimate the distant landscapes of spectacle often utilized in both the political and sports arenas. These arenas serve as a theater a space where desires, violence, escapism, and the human condition are endlessly played out without the pretense of imaginary consequences. This landscape is where the works take their evocative form, revealing fleeting lapses in the standard perception of events and forming new investigative relationships.

 Oversize charcoal drawings of stadium lights intensify the eerie charge of the unknown and the latent in night, sport and surveillance. In an Iteration of the ongoing video project How Great You Are O Son of the Desert!  the infamous headbutt of Zinedine Zidane of the Italian defender Marco Materazzi in the World Cup final in 2006 becomes a time portal into systemic social transgression, class warfare, and violence across histories both intimate and regional. Parting Kisses, presents a set of hand crafted bronze sculptures of petrified historical gestures, monumentalized and reduced. Icons of the conquered and conquering come together, blurring the notions of the heroic and finally the arena itself.

 The exhibition runs from the 2nd of November until the 5th of January 2014. For more information, please contact galerie@sfeir-semler.com

Haig Aivazian

Fugere
01.11.13  -  02.01.14

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Anna Boghiguian.  ZYX XYZ an autobiography - odd times in life

Boghiguian’s work was recently exhibited at dOCUMENTA (13), curated by Carolyn Christov-Bakargiev. Her major installation in the Fridericianum consisted of her drawings and sculptural work, reflective of her sensitive and poetic perspectives on society, politics, and urban life.

Boghiguian’s work was first discovered by Catherine David, who presented her to the world in her project Contemporary Arab Representations, beginning in 2003 in Rotterdam. Attracting much attention and acclaim, her drawings also stirred political debate and controversy, especially in her native Egypt. Boghiguian was born in 1946, an Armenian in Cairo, yet never adopted the city as her home, continuing to have a conflicting relationship with the city today. Living a nomadic life, the artist constantly moved through many cities across the globe from Egypt to Canada and India to France. Immersing herself in the sights and sounds of the city, as well as the literature, poetry and politics of its people, the artist nonetheless remained distant, an outsider in a busy metropolis. Her work offers a unique third person yet omniscient view of modern urban communities.

Anna Boghiguian’s works are dense compositions. In them are often text, images, collected photographs and other documentary material closely interwoven. The intense colors and her spontaneous and expressive drawings are reminiscent of diary entries. They seem to visualize and record momentary experience and perception in its various facets.

The gallery will be showing both early and new works. The more recent works focus on the body in its representations of the ear, mouth and eye, as inescapable bases of existence, expression, and perception. The artist repeatedly rearranges and reworks the drawings created on her travels, thus producing an ever-changing series.

Anna Boghiguian studied political science at the American University of Cairo, Egypt and received her BFA in Fine Arts and Music at Concordia University in Montreal, Canada.

She has participated in international group exhibitions such as Contemporary Arab Representation, Rotterdam (2003-04) curated by Catherine David, which travelled through various European cities, the 11th Istanbul Biennial curated by WHW, and dOCUMENTA (13). As part of her DAAD scholarship she had a solo show at the daadgalerie, Berlin in March 2013.

In the occasion of the exhibition, the artist will be participating in the following events:

Tuesday, 23th May 2013 at 7:30 pm, Kampnagel - Drawing Radical StorytellingCarolyn Christov-Bakargiev in conversation with Anna Boghiguian, lecture and discussion in English

Friday, 24th May 2013 at 7 pm, Sfeir-Semler Gallery, Hamburg

Exhibition walk with Anna Boghiguian and Carolyn Christov-Bakargiev


Anna Boghiguian.  ZYX XYZ an autobiography - odd times in life

Anna Boghiguians Arbeiten wurden vor kurzem auf der von Carolyn Christov-Bakargiev kuratierten dOCUMENTA (13) ausgestellt. Ihre raumgreifende Installation im Fridericianum bestand aus Zeichnungen und plastischen Arbeiten, die ihre einfühlsamen und poetischen Perspektiven auf die Gesellschaft, Politik und das städtischen Leben reflektieren.

Die Arbeiten Anna Boghiguians wurden erstmals von Catherine David entdeckt, die sie in ihr Ausstellungsprojekt Contemporary Arab Representation integrierte, das 2003 in Rotterdam seinen Anfang nahm. Ihre Zeichnungen ziehen viel Aufmerksamkeit und Anerkennung auf sich und führen gleichzeitig zu politischen Debatten und Kontroversen, vor allem in ihrem Heimatland Ägypten. Die Armeniern Anna Boughiguian wurde 1946 in Kairo geboren und wuchs hier auch auf, dennoch hat die sie diese Stadt nie zu ihrer Heimat erklärt. Als Nomadin lebend, zog die Künstlerin konstant durch viele Städte rund um die Welt, von Ägypten nach Kanada, von Indien nach Frankreich. Obgleich sie sowohl in das Leben und die Geräusche von Städten, als auch in die Welt der Literatur, Poesie und Politik ihrer Bewohner eintaucht, bleib sie distanziert, eine Außenseiterin in den lebendigen Metropolen. Davon zeugen ihre Arbeiten, die einen einzigartigen und zugleich umfassenden Blick auf moderne urbane Gesellschaften eröffnen.

Anna Boghiguian Arbeiten sind dichte Kompositionen. In ihnen sind häufig Texte, Bilder, gesammelte Fotografien und anderes dokumentarisches Material eng miteinander verwoben. Die intensive Farbigkeit und ihr spontaner und expressiver Duktus der Zeichnungen erinnern an Tagebucheinträge. In ihnen scheinen momentanes Erleben und Wahrnehmen in ihren verschiedenen Facetten visualisiert und festgehalten.

Die Galerie wird sowohl frühe als auch neue Werke zeigen. Die neueren Arbeiten stellen den Körper als unhintergehbare Basis des In-der-Welt-seins und der Wahrnehmung, über die Darstellung von Ohr, Mund und Auge als unausweichliche Grundlagen der Existenz in den Fokus. Die Künstlerin ordnet die vielen auf ihren Reisen entstandenen Arbeiten immer wieder neu, wodurch sich ständig verändernde Serien entstehen.

Anna Boghiguian studierte Politikwissenschaft an der American University of Cairo, Ägypten und erhielt ihren BFA in Kunst und Musik an der Concordia University in Montreal, Kanada. Sie hat an internationalen Gruppenausstellungen, wie der von Catherine David kuratierten Contemporary Arab Representation (2003-04), die in verschiedenen europäischen Städten zu sehen war, an der 11. Istanbul Biennale und der dOCUMENTA (13) teilgenommen. Im Rahmen ihres DAAD-Stipendiums hatte sie im März 2013 eine Einzelausstellung in der daadgalerie, Berlin.

Folgende Veranstaltungen finden im Rahmen der Ausstellung statt:

Donnerstag, 23. Mai 2013 um 19.30 Uhr, Kampnagel

Zeichnen Radical Storytelling.  Carolyn Christov-Bakargiev im Gespräch mit Anna Boghiguian, Vortrag und Diskussion (Sprache: Englisch)

Freitag 24. Mai 2013 um 19.00 Uhr, Galerie Sfeir-Semler, Hamburg

Gespräch und Führung durch die Ausstellung mit Anna Boghiguian und Carolyn Christov-Bakargiev

 

Anna Boghiguian

ZYX XYZ an autobiography - odd times in life
25.04.13  -  22.06.13

"Ich muss das Bild als eigenständiges Objekt begreifen (...). Die Fertigstellung ergibt sich, wenn die Forderung des Bildes an den Maler als Aufgabe gelöst ist. Und genau dann bin ich dem Bild verhaftet und ich sehe das zum Schluss ganz genau."

(Rolf Rose in einem Interview mit Claus Friede, März 2011)

 

Rolf Rose hat sich schon früh der abstrakten Farbfeldmalerei zugewandt. Er baut Farbe Schicht um Schicht mit unterschiedlich breiten Spachteln und Messern auf den Bildgrund auf. Die Oberflächen der meist monochromen Arbeiten entstehen durch diese übereinanderliegenden Farbschichten, die Rose mit Rakeln oder Stäben aufbricht. Es entstehen reliefhafte Strukturen, deren horizontal oder vertikal gezogenen Furchen den gesamten Bildträger überziehen. Die so bearbeiteten Flächen ermöglichen unterschiedliche Lichtreflexionen und bilden, je nach Material- und Mischungsverhältnis, glänzend-schillernde oder matt-duffe Farbräume. Seine Farbpalette scheint reduziert auf   Schwarz, Anthrazit, Weiß oder dunkle Rot-, Blau oder Brauntöne. Doch verzichtet Rose in der letzten Zeit immer weniger auf Farben. Sie liegen manchmal unter einer dunklen letzten Schicht und kommen über die Oberflächenstrukturierung zum Vorschein.

Rolf Roses großformatige, monochrome Bilder entwickeln einen Objektcharakter, der nicht allein durch den wie gebaut erscheinenden Farbauftrag hervorgerufen wird. Die Bildträger, zentimetertiefe Holzbretter und -Kisten oder auf dicke Keilrahmen aufgespannte Leinwände, sind für sich objekthaft und werden von ihm oft wie Module behandelt und zu Reihen oder größeren Einheiten zusammengesetzt bzw. -gebaut. Es entstehen Diptychen, Triptychen, Tetraden ...

Rolf Rose wurde 1933 in Halberstadt im Harz geboren. Er zog im Alter von 20 Jahren nach Hamburg und schlug sich mit verschiedenen Arbeiten durch. Erst Mitte der 1960er Jahre entschied sich Rolf Rose als Künstler zu arbeiten. Der Autodidakt arbeitete zunächst gegenständlich und später mit strukturierten Objekten, wie z.B. Linoliumkacheln, bis er über das Werkzeug des Spachtels zu dem gleichmäßigen, radikalen und minimalistischen Farbauftrag kam, der seine Malerei bis heute charakterisiert.

Rolf Roses Arbeiten finden sich in verschiedenen öffentlichen Sammlungen, so z. B. im Kunstmuseum Bonn; Museum Weserburg, Bremen; Karl Ernst Osthaus-Museum, Hagen; Hamburger Kunsthalle; Sammlung Falckenberg, Hamburg; Neue Galerie, Kassel; Kieler Kunsthalle; Museum der bildenden Künste, Leipzig; Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen; Lenbachhaus, München.

Rolf Rose lebt und arbeitet in Krempe.


Rolf Rose

Zum 80. Geburtstag
14.03.13  -  04.04.13

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In unseren Räumen zeigen wir Skulpturen und Monotypien von GÜNTER HAESE.                                                      

Günter Haese, den wir seit 1986 vertreten, ist ein wichtiger Vertreter der kinetischen Kunst und Zeitgenosse von Piene, Uecker, Mack oder Tinguely, mit denen er auf der documenta III 1964 in Kassel gezeigt wurde.

 Seine Skulpturen aus geschwärzter oder rötlicher Phosphorbronze, goldglänzendem Messing oder Kupfer verführen den Blick, sowohl durch ihre Farbigkeit als auch durch ihre filigranen Strukturen. Ausgangspunkte dieser fragilen Objekte sind geometrische Formen wie Kugel, Würfel, Zylinder und Quader sowie deren Abwandlungen oder Verformungen. Metallfedern, Spiralen, Zahnräder, Unruhen von Uhren, Schrauben, dünne Bleche, Drähte und feinste metallene Gitternetze lötet Haese so aneinander, dass flirrende, abstrakt-poetische Gebilde entstehen, die z.T. an anthropomorphe Figurationen erinnern und gleichsam kosmologische Dimensionen eröffnen.

 Das Besondere an Haeses miniaturartigen, kleinformatigen Skulpturen ist ihre Bewegung. Sie vibrieren und erzittern durch Luft und leiseste Vibrationen im Raum.

Vorläufer seiner ersten freistehenden Skulpturen sind Monotypien und Frottagen von 1959/60, als insgesamt 20 bis 30 Unikate entstanden. Es sind Ausreibungen und Drucke von Gipsskulpturen, die der Künstler zunächst baut, dann auf Papier mit schwarzer Tinte überträgt. Die collagenhaft miteinander in Beziehung gesetzten Materialien der späteren Skulpturen sind in diesen zweidimensionalen Arbeiten deutlich sichtbar - von den Zahnrädern und Spiralen bis zu Haese’s feinen Gittern und Netzen. Hinzu kommen Abdrücke von Schnallen und gestanzten Blechen.

Günter Haese, 1924 in Kiel geboren, studierte in der  Meisterklasse von Ewald Mataré an der Düsseldorfer Kunstakademie zusammen mit Joseph Beuys und Erwin Heerich. In den 60er Jahren wurde er zu prestigevollen Ausstellungen eingeladen:1964 zur Documenta III in Kassel, im selben Jahr widmete ihm das Museum of Modern Art (NY) eine Soloausstellung. 1966  stellt er im Deutschen Pavillon der 13. Biennale in Venedig aus, 1969 auf der 10. Sao Paulo Biennale.

In den folgenden Jahren wurden Haeses Werke in verschiedenen nationalen und internationalen Institutionen ausgestellt und gesammelt: im Museum of Modern Art (NY), Guggenheim (NY), Tate Modern (London), Kunsthalle Düsseldorf, Museum Ulm, Kunstnerneshus  Oslo, Museum Boijmans van Beuningen Rotterdam, Kunsthalle zu Kiel,  Kestner Gesellschaft Hannover...

Günter Haese lebt und arbeitet in Düsseldorf.

 

English version

We will show a selection of sculptures and monotypes by GÜNTER HAESE, an artist we have proudly represented since 1986.

A contemporary of Piene, Uecker, Mack, and Tinguely, Günter Haese is an important representative of kinetic art. His sculptures are made of blackened or red phosphor bronze, gilded brass or copper. They attract the gaze of the viewer through their color and transparency, as well as their delicate structures. The starting point for these fragile objects are geometric shapes such as spheres, cubes, and cylinders and their modifications or variations. These abstracted and poetic objects are brazed out of metal springs, coils, gears, screws, thin metallic sheets, fine wires and grids, combined to create forms reminiscent of anthropomorphic figurations while simultaneously establishing cosmological dimensions. The special feature of Haese"s small-scale sculptures is the movement. The works vibrate and tremble in air and space at the slightest movement or vibration.

Haese’s monotypes and frottages, produced between 1959 and 1960, were the precursors of his first freestanding sculptures, with only approximately 20 to 30 unique pieces created. These works are prints of plaster sculptures originally built by the artist and then transferred onto paper with black ink. The collaging style of the later sculptures is clearly visible in these two-dimensional works - from the gear wheels and spirals to the fine networks, giving impressions of buckles and stamped sheets.

Günter Haese was born in 1924 in Kiel. He studied in the master class of Ewald Mataré at the Düsseldorf Kunstkakademie together with Joseph Beuys and Heerich. In the 60s, his works are displayin several well-known exhibitions and high-profile spaces. In 1964, he presented at Documenta III in Kassel alongside Piene, Uecker, Mack, and Tinguely. In the same year, he became the first German national to have a solo exhibition dedicated to him at the Museum of Modern Art, New York. In 1966, he represented Germany Pavilion at the XXXIII Venice Biennale. In 1969, he also participated in the Sao Paulo Biennial X. In the following years, Haeses’ works have been exhibited and collected in many national and international institutions including:  Modern Museum of Art, NY; the Solomon R. Guggenheim Museums, Tate Modern, Kunsthalle Düsseldorf, Museum Ulm, Kunsterneshus Oslo, Museum Boijmans van Beuningen in Rotterdam, Kunsthalle zu Kiel, and Kestner Gesellschaft Hanover.

Günter Haese lives and works in Dusseldorf.

Günter Haese

Günter Haese "Monotypes. Sculptures 1959-2013 "
24.01.13  -  07.03.13

HAMBURG Sfeir-Semler Gallery is happy to announce the opening on Friday 2nd of November, 7-9PM, of the solo show by the Lebanese artist Etel Adnan.  

An homage to Etel Adnan at Kampnagel, Hamburg will be held on Saturday November 3 with  an interview by Hans Ulrich Obrist and a reading of Etel Adnan"s texts  

Born in Beirut in 1925, Etel Adnan is widely recognized as one of the foremost authors, poets and playwrights of her generation. Writing across languages and continents, she has long been a singular voice in the cultural discourses of the Middle East, and painting has always been a key component to her artistic work. Standing out as one of the most influential women in the Middle East in the literary and artist fields, she says,
 
 "...I’m writing as a person who comes from painting. By that I mean what you do is make your composition. You trust your colors and your shapes, your gestures. You trust that something beyond that will come through even if you don’t know exactly what. You know that you are not just decorating a surface. You know that you are saying more than what meets the eye. In a way this is what we call a collage, but instead of using bits of paper you abstract shapes or planes of color. This is the way I proceed in poetry. I have the need to say something very precise, but I don’t need to say it in a precise way. And I trust that whatever I want to say will come through. That I don’t need to be sequential. I don’t even need to be clear. I have to be clear in my intentions, not in my words..” (1986,  The Non-Worldly World: A Conversation with Etel Adnan. Poetry Flash)
 
Adnan’s solo show in our Hamburg space will feature on the groundfloor new paintings & Leporellos all from 2012, never exhibited before. On the 1st floor we will show a choice of elder works from the 60s to 2010, several of which were exhibited earlier this year at Documenta 13.  
 
Etel Adnan s paintings are almost always small in size. Her canvases range between 25 x 30cm and 40 x 50 cm, seldom exceeding this maximum. Her direct, straight-forward paint strokes and lucid swaths of colour make her devoted investigation of painting a truly fresh, poetic, and unpretentious .
 
Etel Adnan works between Paris and Beirut. Born to a Turkish Muslim father in the Ottoman army and a Greek Orthodox mother, Adnan was caught between a conference of nationalities, religions, and languages. She spoke Turkish with her father, Greek with her mother, French at school, and Arabic in the streets of Beirut, immersing herself in each language and culture, yet separated from it as well. She left Beirut to Paris in 1949 to pursue her PhD in philosophy from the Sorbonne, which introduced her to a vast intellectual world of post-war France. In 1955, she moved to the United States to continue her studies at the University of California in Berkley and Harvard University. It is in California, where she lived until the 90s, that she starts experimenting with painting. During this time, Lebanon and the region experienced civil wars and political upheaval, described in Adnan’s seminal book on the Lebanese civil war,  Sitt Marie Rose. Her books of poetry, fiction, and plays are translated into more than 10 languages. In 2010, Sfeir-Semler Beirut organized the first retrospective exhibition for Etel Adnan’s paintings, drawings, and leporellos. In 2011, Adnan published  The Cost for Love We Are Not Willing to Pay, a notebook for Documenta 13’s series of 100 Notes/ 100 Thoughts. In 2012, Etel Adnan’s paintings and tapestries where displayed in Documenta 13 in Kassel, Germany, curated by Carolyn Christov-Bakargiev. Most recently, a monographic book has been published during the occasion of the Documenta opening, which includes essays by Carolyn Christov-Bakagiev, Hans Ulrich Obrist, and Simone Fattal.
 
The show goes on from November 2, 2012 January 12, 2013
 
An homage to Etel Adnan at Kampnagel, Hamburg will be held on Saturday November 3, 2012 featuring an interview with the artist by Hans Ulrich Obrist and a reading of Etel Adnan"s texts.
 

This event is organized by Kampnagel, Hamburg and Sfeir-Semler Gallery in collaboration with Forum Freies Theater Düsseldorf, Edition Nautilus and Suhrkamp Verlag.

 


 

 

 

Etel Adnan

02.11.12  -  12.01.13

Wir freuen uns  die zweite Soloausstellung von  TIMO NASSERI  "O Time Thy Pyramids" zu zeigen.

In seiner ersten Ausstellung in unserer Hamburger Galerie 2009 beschäftigte sich Timo Nasseri mit der arabischen Arithmetik und deren Einfluss auf die Islamische Architektur. Er zeigte spiegelnde Skulpturen wie "Muqarnas", "Epistrophy" und "Glance" sowie akribische Zeichnungen mit weißer Tinte auf schwarzem Papier.

Seine neuen Arbeiten gehen ebenfalls von der Arithmetik und von der Geometrie aus. Diesmal aber fand Timo Nasseri seine Inspirationsquelle in den Studien des Schweizers Mathematikers Jakob Steiner (1796 1863).

Thema ist wieder die Erkundung der Unendlichkeit.

Der Titel der Ausstellung zitiert Jorge Luis Borges’ "Die Bibliothek von Babel".Der Ausstellungstitel "O Time Thy Pyramids" ist der einzige lesbare Satz eines aus einem "reinen Buchstabenlabyrinth" bestehenden Buches dieser babylonischen Bibliothek. In ihr ist das gesamte Universum enthalten, unendlich, unlesbar. Die bloße Möglichkeit ist hier hinreichend für ein Dasein.

Seine neuen fragil erscheinenden Skulpturen, die Zeichnungen, die kleinformatigen Wandobjekte, die aus verschachtelten Rechtecken bestehende Holzskulptur, erscheinen auf den ersten Blick wie wissenschaftliche Modelle. Nasseri verschiebt hier den Blick von mathematischen Überlegungen des Orients hin zu Überlegungen und Erkenntnissen der Quantentheorie, in der in letzter Konsequenz nicht nur von einem, sondern von unendlich parallel existierenden Universen ausgegangen wird.

Die aus Kupferdraht gebauten Skulpturen nennt Nasseri "Bohrkerne". Sie suggerieren eine zugrundeliegende Ordnung und eröffnen ein Spiel mit Möglichkeiten, die ins Unendliche verweisen.

Die kleinformatigen Zeichnungen, deren Format nicht zufällig an Buchseiten erinnert, scheinen Berechnungen zu sein, die einem Mathematik-, Physik- oder Geografiebuch entnommen sein könnten. Der Künstler bedient sich formel- und modellhafter Darstellungen wie einer Sprache. Deren Bausteine (Linie, Punkt, Strecke, Kurve, Buchstabe, Zahle, kartografische Elemente), assoziiert er jedoch in einer Weise, die zwar den verstehenden Nachvollzug, nicht aber eine Les- oder Berechenbarkeit unterlaufen.

Die Wandobjekte bestechen, frontal in den Blick genommen, durch Symmetrie und Klarheit. Doch schon ein leichter Perspektivwechsel, ein Heraustreten aus der Mittelachse lässt den symmetrischen Aufbau in sich zusammenbrechen, das Objekt gerät aus den Fugen, verzerrt sich anamorphotisch. Die Anamorphose jedoch erzählt, man denke an "Die Gesandten" von Holbein, von einer anderen Wirklichkeit.

Nasseri eröffnet durch sein Spiel mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, z.B. denen des mathematisch Unendlichen, die Perspektive für das Fantastische oder Poetische. Wissenschaftliche Praktiken werden herbeizitiert und in der künstlerischen Praktik anverwandelt und umgewandelt. Der Wille anders zu denken wird sichtbar und ästhetisch erfahrbar.

Timo Nasseri ist 1972 in Berlin geboren und hat dort Fotografie studiert. Neben verschiedenen Förderpreisen erhielt er 2011 den Abraaj Capital Art Prize. Seine Arbeiten waren in verschiedenen Gruppenausstellungen zu sehen, so 2012 in "Wunder", Hamburger Deichtorhallen und Kunsthalle Krems sowie "Sculpture is Everything" in der Queensland Gallery of Modern Art, Brisbane, Australien.

Im September geben wir einen ersten umfassenden Katalog seiner Arbeiten im Distanz Verlag Berlin heraus.


 




Timo Nasseri

06.09.12  -  20.10.12

Wir freuen uns, Ihnen die erste Einzelausstellung von Khalil Rabah in Deutschland vorzustellen.

Der palästinensische Künstler Khalil Rabah ist ein Konzeptkünstler, der mit vielfältigen Medien arbeitet. Sein Verfahren kann als eine Form der künstlerischen Forschung gesehen werden, mit dem Fokus auf Fragen der palästinensischen Geschichte und Erinnerung.

Art Exhibition: Ready Made Representations: 1954-2010zeigt eine Sammlung von Ölgemälden, die auf Fotografien von Ausstellungen palästinensischer Kunst an den verschiedensten Orten weltweit von 1954 bis in die Gegenwart basieren. Das über Jahre gesammelte Fotomaterial stammt aus Zeitungen, dem Internet und Galeriearchiven oder ist von ihm selbst fotografiert. Rabah überträgt seine Recherche in fotorealistische Ölgemälde und produziert eine Serie von Bildern, die die Kunstszene in ihren verschieden Facetten untersucht: die Künstler, Besucher, Kuratoren, Sammler, die Ausstellungsorte und Institutionen sowie die Ausstellungen selbst. Art Exhibition Ready Made Representation: 1954 2010 ist als Versuch einer subjektiven Auslegung historischer und zeitgenössischer   Ausstellungspraktiken zu verstehen.

Gleichzeitig formuliert Khalil Rabah eine institutionelle Kritik, indem er, wie in The Palestinian Museum of Natural History and Humankind oder in United States of Palestine Airlines, in seiner Kunst imaginierte und fiktive nationale Institutionen etabliert. The Palestinian Museum of Natural History and Humankind ist ein über Jahre fortlaufendes Projekt, das Informationen über Neuigkeiten und Projekte des Museums in Newsletters publiziert. Das Museum beinhaltet Disziplinen, wie Paläontologie, Geologie, Botanik sowie Anthropologie und Kunst. Mit seiner Arbeit sucht Rabah national geprägte Diskurse und Identitäten durch uneindeutige, hybride oder transnationale Formationen zu ersetzten und auf diese Weise die offiziellen Geschichtsschreibungen zu hinterfragen.

Khalil Rabah wurde 1961 in Jerusalem geboren und studierte Bildende Kunst und Architektur an der University of Texas. Rabah unterrichtete Architektur an der Bezalel Academy, Jerusalem. Er ist Mitbegründer des Al Mamal Foundation for Contemporary Art, Jerusalem sowie der Art School Palestine, London und ist Direktor der Riwaq Biennale, Palästina. Rabah ist Mitglied des Beirats der Delfina Foundation und der Biennial Foundation, außerdem ist er im Mitgliede im Beratungskomitee   des Ashkal Alwan Homeworks Programm, Beirut, Lebanon

Er war Teilnehmer an wichtigen internationalen Gruppenausstellungen und Biennalen teilgenommen, wie Gwangju (1995), Sydney (1998),  Sao Paulo (1998), Istanbul (2005), Liverpool (2008), Venice (2009) and Sharjah (2010). Seine Arbeiten waren in vielen internationalen Einzelausstellungen zu sehen, z.B. in The Brunei Gallery, SOAS der University of London. Seine nächsten Soloausstellungen werden im Juli 2012 in The Beirut Art Center und im E-Flux, New York gezeigt. Zu den wichtigen Werkgruppen gehören: 50.320 Names  (2007), After 12 Years (2008) und seit 2010 die Arbeit  Biproduct, im Mathaf, Doha in 2010.

 

Khalil Rabah lebt und arbeitet zu Zeit in Ramallah, Palästina.

Khalil Rabah

Art Exhibition: Ready Made Representations 1954 - 2010
11.05.12  -  07.07.12

HAMBURG - Sfeir-Semler Gallery is happy to start the new year with an opening Friday 20th of January, 7-9 pm, of a solo show by the Lebanese artist, Akram Zaatari. This opening coincides with a common opening of all galleries on the Fleetinsel in Hamburg.

 

Zaatari’s practice is tied to the practice of collecting. His work reflects on the production and circulation of images in the Middle East, while considering notions of power, work, social codes / types, fashion, representation and history.

 

This show focuses on Zaatari’s work with photographic documents while building the collection of the Arab Image Foundation. In 1997 Zaatari started a two-year-project traveling, researching, and collecting photographs from families and from photographers while interviewing them with his video camera. Since 1999 has been focusing on the archive of Studio Sherezade, studying, indexing and presenting the work of Hashem al-Madani (1928-), a studio photographer who worked in Sidon from 1948 until this day.

 

On the ground floor he presents five enlarged photographs of bodybuilders taken in the Southern Lebanese port city of Sidon. The images are reproduced from negatives taken by Hashem al Madani in 1948. The negatives have been badly stored and were consequently damaged with time and therefore the images have eroded in contrast with the youth of the bodybuilders depicted in them.

On the first floor we present two video installations, On People, Photography and Modern Times (38 minutes, 2010) and Her and Him (2011). The first tells the stories behind photographic records that Zaatari had researched and collected for the Arab Image Foundation in the late nineties. It questions some of the conventions of photographic preservation, and evokes some of the emotions that ties photographs to their owners while commenting on their loneliness aging. It is the first time it has been shown outside the Middle East. Her and Him is comprised of the video Her + Him Van Leo (32 minutes, 2001) made with a long interview Armenian-Egyptian photographer Van Leo, about conventions related to his work. Next to the video hangs a vitrine of photographs taken by Van Leo himself in 1957 showing an Egyptian young woman photographed while undressing in twelve poses.

 

In the exhibition reception space is shown the full series of Another Resolution, 1998, where Zaatari re-stages photographs of children, using adults, therefore commenting on our photographs contribution in constructing gender.

 

Akram Zaatari was born in Sidon, Lebanon in 1966 and lives and works in Beirut. He is author of more than 40 videos and numerous photographic and video installations and publications.

 

Recent exhibitions include MUSAC, Spain, Kunsternes Hus, Norway, the Istanbul Bienniale, and Videobrasil 2011 where his video Tomorrow Everything will be Alright won the Grand Prize. His works have been acquired by Kunsthaus Zürich; TBA, Vienna; Tate Modern, London and Centre Pompidou, Paris amongst others. His exhibition The Uneasy Subject opens at MUAC in Mexico on January 28, 2012.

 

The exhibition runs from the 20th of January to the 31st of March 2012. For more information, please contact galerie@sfeir-semler.com

Akram Zaatari

The End
20.01.12  -  31.03.12

Im Laufe eines Monats hat Masuyama täglich Blumensträuße vor schwarzem Hintergrund fotografiert und die sukzessiven Zuständen ihres Verfalls festgehalten. Wie schon in den Leuchtkästen seiner früheren Werkgruppen, z. B. den Serien zu J.W.M. Turner und Caspar David Friedrich, ist jedes Stillleben aus Einzelbildern zusammengesetzt. Masuyama montiert die Fotografien auf zentimeterdicke, sechseckige Holzplatten, die durch offen sichtbare Trägerkonstruktion mit einander verbunden sind. Die wabenartigen Gerüste bilden gewissermaßen Architekturen für die Fotografien. Die Stillleben sind weniger Bilder im klassischen Sinne als vielmehr skulpturale Fotografien oder fotografische Skulpturen.

Masuyamas Arbeiten beruhen zunächst auf Versuchsanordnungen. Der Concept Art der 1960er und 70er Jahre vergleichbar, bezieht er das tägliche Erfassen von Zuständen von Dingen oder sich wiederholender Handlungen des eigenen Lebens systematisch in seine Werke ein. Zeit und Raum bilden hier gewissermaßen den Grundton. Die Concept Art und andere zeitgleiche Formulierungen waren jedoch mit der Etablierung der Idee als Kunstwerk und der Forderung des "Ausstieg aus dem Bild" verbunden. Masuyama arbeitet mit konzeptuellen Strategien, macht jedoch etwas anderes. Er produziert Bildobjekte, die sich z.T. explizit auf europäische Bildtraditionen, wie die romantische Landschaftsmalerei oder, wie in der Ausstellung zu sehen, auf das barocke Stillleben beziehen.

Masuyama orientiert sich hinsichtlich der äußeren Form und der inneren Struktur seiner Blumenstillleben am Aufbau eines Insektenauges. Das gewölbte, nicht zwingend runde Facettenauge, besteht aus hunderten sechseckiger Einzelaugen, die immer Ausschnitte wahrnehmen. Die Fotografien der Sträuße werden nicht, wie in den anderen Werkgruppen, mit Mitteln der digitalen Bildbearbeitung überlagert oder in einer Abfolge miteinander verschmolzen. Er zerlegt sie stattdessen in sechseckige Bildausschnitte und setzt diese zu einem neuen Bild zusammen. Das zeitliche Nacheinander der Zustände wird so in eine Simultaneität des Ungleichzeitigen überführt. Dem Kaleidoskop vergleichbar, das den Blick in den Raum zerteilt und ein diskontinuierliches Bild entstehen lässt, wird hier ein Zeitraum aufgespalten und neu geordnet. Dennoch sind die Kompositionen nicht völlig diskontinuierlich. Die zeitlich länger zurückliegenden Ausschnitte konzentrieren sich in der Bildmitte, während sich die zunehmend verwelkten Blumen an den Rändern finden. Die kompositorische Verdichtungen im Bildzentrum und Auflockerung an den Rändern entspricht dem traditionellen Bildaufbau von Blumenstillleben. Gleichzeitig bleibt das Ausschnitthafte immer sichtbar, da die Zwischenräume zwischen den Bildteilen explizit und bildstrukturierend stehen bleiben.

Die neue Videoarbeit ist ein bewegtes Selbstportrait des Künstlers. Täglich zur gleichen Zeit aufgenommene Aufnahmen, in denen der er immer wieder, das am Tag zuvor gemachte Foto in der Hand hält, werden in ihrem zeitlichen Verlauf abgefilmt. Der so produzierte Sog in die Tiefe suggeriert Unendlichkeit.

Hiroyuki Masuyama wurde 1968 in Tokio geboren. Er studierte von 1989 1993 an der University of Fine Arts and Music in Tokio Malerei und Wandmalerei. 1995 führte ihn ein DAAD-Stipendium an die Kunstakademie nach Düsseldorf in Klasse von Magdalena Jetelova. Von 1999 2001 setzte er seine Ausbildung an der Kölner Kunsthochschule für Medien fort. Hiroyuki Masuyama lebt und arbeitet in Düsseldorf. Im Sommer 2011 wurden seine Arbeiten in einer Soloausstellung in der Kunsthalle Gießen gezeigt. Seine große Arbeit "0", eine hölzernen Kugel, von 260 cm Durchmesser, in deren Innenraum abertausende winziger Fiberglasleuchten das Sternenfirmament der nördlichen und südlichen Hemisphäre kreiert, ist in der Ausstellung "Wunder" in den Deichtorhallen Hamburg bis zum 5. Februar. 2012 zu sehen.

 

Hiroyuki Masuyama

Kaleidoskop
28.10.11  -  07.01.12

Wir sind stolz den Fotografen F.C. GUNDLACH gerade im Jahr seines 85-jährigen Geburtstags mit einer weiteren Einzelausstellung präsentieren zu können. Die Hamburger Exponate sind eine Auswahl aus seiner Schau in der Sfeir-Semler Gallery/Beirut im Frühjahr 2011. Die für unsere Ausstellung ausgesuchten Photos nehmen den Betrachter mit auf eine Reise in den Orient! Der Focus liegt dabei auf Modefotografien, entstanden im Libanon und Ägypten der späten 50er und 60er Jahre, dem sogenannten "Golden Age" von Beirut und Kairo. Sie veranschaulichen Gundlachs spezifische Auffassung von Modefotografie: Es ging ihm nie darum ein Kleidungsstück einfach zu fotografieren, sondern immer darum den Zeitgeist zu dokumentieren, wie er sich auch und vor allem in der Mode manifestiert. Diese Photos wurden meist nicht im Studio bei Kunstlicht, sondern bei Tages- oder bei nächtlicher Beleuchtung...auf der Strasse, in der Natur, an fernen "locations” gemacht, in Konfrontation mit Technologie (Autos, Flugzeuge) oder Architektur! Seine Fotografien reflektieren deshalb neben den Moden und Schönheitsvorstellungen immer auch Einflüsse des aktuellen Lebensgefühls und der zeitgenössischen Kunst. So präsentiert Gundlach beispielsweise die Courrege Mode der 60er Jahre als Phänomen der geometrisch-architekturalen Op Art vor der Inkarnation geometrischer Architektur: den antiken Pyramiden der ägyptischen Pharaonen!

 

F.C. Gundlach wurde 1926 in Heinebach geboren und studierte von 1947-1949 bei Rolf W. Nehrdich an der Akademie für Moderne Lichtbildkunst in Kassel. Seit Ende der 40er bis in die 80er Jahre arbeitete er für viele Magazine, u.a. für Elegante Welt, Film und Frau, Revue, Sternund Brigitte. Als Gründer der CC (Creative Color) und der PPS (Professional Photo Service) in Hamburg brachte FCG in den 60er Jahren die professionelle Farb- und Studio-Technologie aus den USA nach Deutschland. Seit den 70er Jahren war FCG auch als Galerist und Kurator tätig, gründete 2000 die F.C. Gundlach Stiftung und drei Jahre später das Haus der Photographie in den Deichtorhallen Hamburg. FCG war Professor an der HdK, Berlin und ist Ehrenprofessor der HfBK, Hamburg, er wurde mit verschieden Preisen und Ehrungen ausgezeichnet.

 

F.C. Gundlach

The Middle in the 50s and 60s
02.09.11  -  22.10.11

In unseren Hamburger Galerieräumen im 1. Stock präsentieren wir nach ihrer ersten Soloschau 2011 in der Sfeir-Semler Gallery/Beirut mit Harem die zweite Einzelausstellung der ägyptischen Künstlerin HODA TAWAKOL. Es werden Arbeiten aus der Beiruter Show und neue Arbeiten gezeigt. Am Samstag, den 3. September um 17 Uhr wird Hoda Tawakol in unseren Galerieräumen und in der Produzentengalerie in ihre Arbeiten einführen.

 

Das Werk Hoda Tawakols reflektiert ihren biografischen Hintergrund zwischen den Kulturen des Nahen Ostens und des Westens. Dabei geht es ihr insbesondere darum tradierte Zuschreibungen des Weiblichen zu hinterfragen. Die künstlerischen Arbeitsmaterialien, der sie sich bedient, stammen nicht aus dem Kunstbedarfsladen, sondern aus dem Lebensalltag: Stretch-Stoffe, Bikini-Stoffe, Nähgarn, Nylon, Kunsthaar, Leder, Luftballons, Barbiepuppen. Sie spannt die Stoffe über Keilrahmen, die Sie wiederum zerschneidet, vernäht, zerstört und zu Quilts und Patchworks zusammenfügt. Sie thematisiert Bekleidung, Mashrabiyas oder verhüllende Überlappungen. Deren Farbigkeit wird offensiv als Gegensatz zum schwarzen Shador der verhüllten Frauen im orthodoxen Islam eingesetzt.

In Ihren Skulpturen - es sind Masken aus Haar oder Gesichtsrüstungen, Barbiepuppen, Falkenhauben aus Filz oder Leder - hinterfragt Sie die Verdeckung, die aufgezwungene Bekleidung der verhüllten Frauen, die nur durch den Mann existieren darf, die Frau als Gefangene, und nicht zuletzt Ihre Stellung in einer Männerwelt!

Bei den Barbiepuppen entreißt Tawakol diese umstrittene westliche Schönheitsikone fast gewaltsam der vertrauten Spielzeugsphäre und stellt sie in einen ganz neuen Kontext, der durch eines ihrer Hauptthemen definiert wird: die Dynamik des Zeigens und Verdeckens. Die Puppe wird mit Stretch-Stoff verhüllt, der wie eine zweite Haut den Puppenkörper umspannt, ohne Ihr einen freien Blick oder die Freiheit der Bewegung zu erlauben. Das im arabischen Raum als Symbol für Weiblichkeit zunehmend verhüllte Haar wird selbst zum Schleier. Diese Umkehrung von Verdecken und Sichtbarmachung wird zum großen Haargeflecht, zu Strähnen, die sich dann von einem Punkt wuchernd und bedrohlich auf der Wand ausbreiten. Diese Haarskulpturen sind gleichsam Rüstungen, die innen leer sind und nichts mehr verdecken. Die mannskopfgroßen Falkenhauben, eigentlich dazu da den Jagdtrieb des Raubvogels zu bändigen, werden bei ihr zu Masken, die den Blick des Trägers - ob Mann oder Frau - einsperren.

Hoda Tawakol wurde 1968 in London geboren, hat ägyptische Eltern, wuchs in Paris auf und studierte seit 2006 an der HfBK in Hamburg in der Klasse von Andreas Slominski. 2011 machte sie ihr Diplom. Hoda Tawakol lebt mit ihrer Familie in Hamburg.

Hoda Tawakol

Harem
02.09.11  -  22.10.11

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Wir freuen uns Sie zur Eröffnung der Ausstellung von Moritz Altmann am Donnerstag 12. Mai 2011 in Anwesenheit des Künstlers einzuladen. Dies ist seine zweite Einzelschau in unserer Hamburger Galerie.

 

Der 1975 in Marburg an der Lahn geborene Moritz Altmann studierte in München an der Akademie der Bildenden Künste und dann an der Hamburger HfBK, wo er 2007 bei Pia Stadtbäumer sein Diplom machte. 2010 erhielt Moritz Altmann das Reisestipendium des Vereins "Neue Kunst in Hamburg", das ihn nach Sevilla und in die Türkei führte.

 

Die unter dem Titel ifrit versammelten zwischen 50 und 100 cm hohen Objekte, alle aus glasierten gebrannten Ton, erinnern sowohl in ihrer Form als auch in ihrem ornamentalen Dekor an Gefäße, an wertvolle Pokale oder überdimensionierte Flakons für Öle und andere aromatische Essenzen, wie man sie aus Kleinodien-Sammlungen, Wunderkammern oder aus barocken Stillleben zu kennen meint. Doch handelt es sich gerade nicht um edle kunsthandwerkliche Gebrauchsgegenstände. Spätestens auf den zweiten Blick wird deutlich, dass sich die Objekte jeglicher Funktion entziehen. Sie zitieren schmuckvolle Gebrauchsobjekte, erscheinen wie deren übergroße Abbilder und sind autonome Kunstwerke.

 

Moritz Altmann bearbeitet den Ton auf eine Weise, die dem Erdigen des Materials Raum gibt. Die Oberflächen sind nicht geglättet und fein ziseliert, sondern erscheinen rau, fast brutal. Trotz ihrer fesselnden Eleganz in der Form bleibt ein Widerstand des Materials sichtbar und wird geradezu in Szene gesetzt. Die Glasur ist auf einigen der Skulpturen pastos und verschwenderisch aufgetragen, so dass eine satte, manchmal blasige Oberfläche entsteht. Sie erscheint unkontrollierbar in ihren schillernden bis abgründig matten Effekten, sowie in ihrer Farbigkeit von bleiernem, fast schwarzen oder silbrigen Grau bis hin zu unwahrscheinlichen Goldtönen. Sie entfaltet eine faszinierende Sogwirkung und wirkt zugleich abstoßend.

 

Konfrontiert wird das Eigenleben des Materials mit der formalen Gestaltung der Skulpturen. Moritz Altmanns künstlerisches Interesse gilt dem Ornament als einem Oberflächen strukturierenden und gestaltenden Element. Entsprechend beschäftigen ihn okzidentale und orientalische Ornamentsysteme und die Möglichkeiten ihrer Synthese. Der Bauschmuck spätbarocker Architekturen haben Moritz Altmann ebenso beeinflusst wie deren scheinbar regelloses Dekors, das ganze Gebäudefassaden überwuchert. Erinnert sei an spanischen Architekten und Bildhauer José Benito de Churriguera, also an den Churriguerismus.

 

Abgesehen von den sie krönenden Spitzen oder Harpyien ist jede Skulptur aus einer sich wiederholenden ornamentalen Form, einem von Voluten gerahmten sich konvex wölbenden Oval zusammengesetzt. Die unterschiedliche Gestalt der Skulpturen ergibt sich aus der Größe und Anordnung des modulartigen Ornaments. In der Gesamtschau und in jedem einzelnen Werk wird deutlich, dass die sichtbare Gestalt ein gesetztes und zugleich ein zufälliges Endprodukt ist. Die Arbeit Karabasan macht dies besonders augenfällig. Die raumgreifenden Auswüchse sind, ähnlich wie Fraktale, verkleinerte Wiederholungen ihrer selbst.

 

Moritz Altmanns Skulpturen bewegen sich stets zwischen widersprüchlichen Polen, sie schillern wie ihre Glasuren: zwischen Okzident und Orient, Abgeschlossenheit und wuchernder Offenheit, Einzigartigkeit und Wiederholung, Kunstgewerbe und Kunst, Verführung und Ekel, Historismus und surrealer Zukunft, Versteinerungen und flüssig heißer vulkanischer Lava. Verstärkt wird dies durch die Titel der ausgestellten Arbeiten. Denn Namen wie Ifrit, Nazgül oder Melegim gehören zu Feuer-Dämonen, Geistern, Engel oder anderen schattenhaften Wesen die in den Zwischenwelten angesiedelt sind.

 

Moritz Altmann

Ifrit
12.05.11  -  18.06.11

HAMBURG - Galerie Sfeir-Semler is pleased to present My Leap into the Void, Rabih Mroué’s first one-person exhibition in Germany. An opening reception will be held on January 21, 2011 from 7-9PM, with an introductory lecture by the artist at 8PM.

 

After the Lebanese Civil War’s official end in 1990, Rabih Mroué, working primarily in theatre and across various experimental dimensions of performance, began to address key questions surrounding the formulation of historical narratives, the practice of recording or archive-keeping, and the intersection between personal memory and the country’s contentious history. Running throughout Mroué’s artistic and theatrical work is a keenly introspective commentary on the artist’s responsibility, the place of fiction in history, and the conditions in which an artist may speak the truth.

 

Grandfather, Father and Son (2010) presents the intellectual pursuits of the artist’s immediate family (his grandfather, his father and himself), synchronized with the chronology of Lebanon’s conflicts. A short story that the son wrote during the war and published in Beirut’s daily Communist-party newspaper presages a real-life bombing in his family’s apartment. Displayed in vitrines, the handwritten manuscript of a mathematical treatise that the father wrote is considered by the son as an act of resistance, and triumph, against the Israeli invasion of 1982. And displayed on the wall is the library card-catalogue system that organized the grandfather’s book collection; but rather than systematizing this body of literature, this disordered index becomes a portrait of the grandfather’s idiosyncratic organization of knowledge.

 

The exhibition will feature a number of video works including Noiseless, in which Mroué takes on the identities of a slew of missing persons, morphing into portraits from newspaper reports and exploring the notion of disappearance as both a fantasy and a condemnation. I, the Undersigned, a two-channel video, pairs a quivering portrait of the artist alongside a list of apologies for his actions during the war, addressing the public in a formal contract binding him to his apology. Against the reality of a political landscape in which almost no official apology has been issued from the war, Mroué has articulated the impossibility of legal language to adequately deliver regret, devolving instead into an endless, looping apology that is made of words and nothing but words. I Miss the Bad, Old Days (2010) furthers Mroué’s interest in storytelling and it’s intersecting relationship to history. Set within an illuminated old manuscript, the artist has written the story of Soviet diplomats kidnapped in Beirut in 1985 and the violent KGB mission that attempted their rescue.

 

Rabih Mroué (born Beirut, 1967) is an actor, director, playwright, and visual and performance artist. He is a contributing editor for The Drama Review (TDR) and KALAMAN, as well as a co-founder and board member of the Beirut Art Center. In 2010 Mroué was awarded an Artist Grant for Theatre/Performance Arts from the Foundation of Contemporary Arts, New York and the Spalding Gray Award. His first one-person exhibition premiered at BAK in Utrecht in 2010. Recent exhibitions and performances include Performa 09, New York, 2009; 11th International Istanbul Biennial, Istanbul, 2009; Tarjama/Translation, Queens Museum of Art, New York, 2009; Sharjah Biennial, Sharjah, 2009; Soft Manipulation Who is afraid of the new now?, Casino Luxembourg, Luxembourg, 2008; Medium Religion, Center for Art and Media (ZKM), Karlsruhe, 2008; HomeWorks, Beirut (2010, 2008); Festival d’Avignon France (2009). Tanzquartier Wien, Vienna (2009); HAU 2 at the Hebbel Theatre, Berlin (2008); Festiva d’Automne France (2009), Seimens Art Program, Munich (2006), Sfeir-Semler Gallery, Beirut (2006); Les Subsistances, Lyon (2004), KunstenfestivaldesArts (2002) among others. He lives and works in Beirut.

 

Rabih Mroué

My Leap into the Void
21.01.11  -  31.03.11

Untitled, 2009 (GI 2 508 174), Oil on canvas, 90 x 120 cm

Bert de Beul

Paintings
12.11.10  -  08.01.11

HAMBURG - Galerie Sfeir-Semler is delighted to announce the first one-person exhibition at the gallery by the Palestinian artist Taysir Batniji. An opening reception with the artist will be held on September 9 from 7pm to 9pm.

 

Born in Gaza in 1966, Batniji lives and works in exile in France. His work, which includes a diverse range of photographic projects, sculpture and conceptual installations, engages his liminal political situation in highly varied and deeply poetic ways. As the title of this exhibition suggests, Batniji’s work mines the interplay between constant migration and endless stasis, the perpetual instability and simultaneous paralysis that marks his political and personal experience.

 

In "HG0809”, Batniji has imagined a real-estate company offering homes in Gaza. As he is not permitted to return, Batniji worked for nearly two years with a Palestinian photographer to take precise images of houses damaged during the 2008-2009 war in Gaza. With these images in serene, still lighting, empty of people the artist has created real-estate advertisements. The plain language of these advertisements creates a fiction that temporarily suspends the political context of these homes and imagines them purely material real-estate. The images transport an almost unthinkable sense of tranquility, beauty and possibility in a devastated place, weaving together the tenuous irony, poetry and political reality of Batniji’s Gaza. It is a fantasy, at once funny and also profoundly complex, that a home in Gaza might ever be available as "4 rooms, 2 sitting rooms 2 bathrooms with garden and sea views”.

 

In an early sculptural work titled "Une fenêtre en voyage”, a large photo of the sky is folded and taped to an old, used window, a wide-open vista now made material and tethered to its frame in a dream of transporting a particular sky view through a particular window. "Valise” shows an old suitcase filled with sand, an attempt to fit a while geography inside a suitcase while simultaneously weighing it down. A new work, "Sablier”, show an hourglass tipped on its side, time frozen inside these two fragile glass bulbs. The overturned hourglass takes on the symbolic shape of infinity, but we see a temporal stand-off with no sand flowing, signaling both timelessness and paralysis.

 

In "Watchtowers”, Batniji presents an index of 26 photographs of Israeli watchtowers that keep surveillance over the Palestinian territories, self-consciously attempting the typologies of Bernd and Hilla Becher but within a radically limited set of political conditions. Where we expect to see the Becher’s crisp documentation of architectural variances in these structures, we see instead photos just slightly out of focus and off-kilter. As with "HG0809”, Batniji commissioned these photographs despite obvious risks and restrictions. The result is a typological documentation marked by the hindered circumstances of its own making and the compromised position of the photographer. The Becher’s attempt to capture a fading history of industrial architecture is here subverted in Batniji’s attempt to capture the urgent political realities of his present day.

 

"Untitled (key marks on rolled textile)” again animates an indexical recording of a Palestinian reality, here focusing on the tradition of Palestinian refugees safeguarding the keys to their old houses. These antique keys might have been kept safe in rolled bits of cloth, and the artist imagines that these keys have recorded their own temporality and history in rust on the cloth. It is as if the artist has unfurled a collection of these precious keys to find that they have disappeared and left only their ghostly imprint.

 

Also on view will be a number of installations that address Batniji’s experience of art-making and placelessness. With materials that range from delicate pencil shavings to cast concrete, Batniji’s installations suggest something of the unconscious spaces of artistic labor. With so much trouble about geography and earthly places, Batniji’s installations perhaps invent a kind of interior, psychological place: a private drawer lined with mirrors, a bed made of street concrete.

 

Taysir Batniji’s work has been included in biennials and international exhibitions throughout Europe and the Middle East, including the 2007 Sharjah Biennale, the 2nd Riwaq Biennale in Ramallah (2007), and Dreams and Conflicts: Utopia Station at the Venice Biennale in 2003, among many others. One-person exhibitions include 2004’s "Transit” at Witte de With Center for Contemporary Art, Rotterdam, "Fathers” at Darat Al Funun in Amman, Jordan, and others. His work is included in international museum collections, including the Georges Pompidou Centre, Paris, the F.N.A.C. Paris, and the Victoria and Albert Museum, London. Batniji received a B.A. in Fine Arts at the Najah University in Nablus, Palestine, Ecole de Beaux art Bourges, France, St. Denis-Paris VIII in Paris, France, before receiving a post-diploma from the College of Fine Arts in Marseille, France.

 

Taysir Batniji

Mobile Home
10.09.10  -  02.11.10

RICHARD NONAS In situ Installation & Sculptures

"”Art is a way of making the word bigger…Ambiguity is what interests me . And immediacy..tension is what I want…I grab what I grab; remember what I remember: skew it and use it. And forget the rest. Or try to.” Nonas, 1998/2010

 

For over 40 years, the Antropologist Richard Nonas has been creating intensely physical and immediately emotional works by carving, joining, stacking, arranging, re-working and even painting his essential materials of wood and metal. Describing the origins of his art practice, he writes: "I saw that simple objects, physical things and places an ax, a mountain, a box, pieces of wood roughly stacked could convey complex human emotion in an unmediated, undivided and instantaneous way.”

 

For his first show with Galerie Sfeir-Semler, Nonas has installed two Insitu Sculptures in two spaces of the gallery : one in Steel , the other in Wood. The artist has grouped around these simple strongly minimal pieces, on the wall, small stacks of wood or of steel forming profoundly captivating elementary geometries, with painted surfaces peaking out from within these piles of raw materials. Out of layers and pieces, Nonas creates new wholes, new forms that reveal the artist’s deeply felt investigation into volume, weight, material, surface and the interaction, unity and poetic implications of these elements.

 

Based in New York, Richard Nonas (born 1936, New York) has exhibited internationally since the 1970s many of You might remember his Installation in the Gardens of the Documenta 1976- with exhibitions across the US, Europe and Asia, including one-person shows at the Walker Art Center in Minneapolis, the Socrates Sculpture Park in New York, MAMCO in Geneva, and major art galleries from New York to Tokyo. From May 15 August 22, 2010, Nonas will have a one-person exhibition at the Musée d’art moderne de Saint-Étienne Métropole called "Shoots Good, Not Straight”. For more information, please visit www.mam-st-etienne.fr.

 

ROBERT BARRY Recent Work

A major protagonist and pioneer of Conceptual Art, Robert Barry has been making language-based artwork since the sixties. By arranging words in lists, circles, or scattered compositions on paper, canvases, mirrors, videos, walls, windows, floors and buildings, Barry’s work has explored meaning and its various modes of communication and display. By selecting a potent set of single words, the artist provides viewers with suggestions and possibilities for the relationships between words themselves, between words and images (and words as images), and between words and viewers.

 

For this show of new work, Barry will present one list of words directly on the wall in silver mirrored text. A second list of words will continue from the wall onto the floor with words in various colors. Every other word in these lists is flipped upside-down, creating a kind of double-direction of meaning in which words address each other and the viewer from oscillating perspectives. Large works on canvas and on paper show words against a grey background, continuing Barry’s investigation into the rich, wordless possibilities of color paired with direct but various significations of language.

 

With solo shows in major venues around the world, Robert Barry has established himself as one of the foremost artists in the continuing history of Conceptual Art. His work has been included in many major public and museum shows and collections such as documenta 5,6,7, the Museum of Modern Art in Frankfurt, the Stedelijk Museum in Amsterdam, PS1 in New York, Kunstmuseum Luzern, Switzerland, Moma New York and Los Angeles and many others. Born in New York in 1936, he lives and works in Teaneck, New Jersey.

 

RICHARD NONAS / ROBERT BARRY

Recent works
28.05.10  -  28.08.10

Günter Haese has been making mobile sculptures since the late 1950s. In 1964, he became the first German artist after the second world war to have a solo exhibition at the Museum of Modern Art in New York. He participated in Documenta in Kassel in 1964 and went on to represent Germany at the Venice Biennale in 1966. His fragile, delicate sculptures are in many important collections include the MoMA and the Guggenheim in

New York and a number of German museum collections.

 

His sculptures are small in size and made of phosphor bronze wires in metallic and black colors. Every movement in the air or vibration in a room brings them to movement. These tenuous wire compositions become light, poetic constellations. They are precious indeed, with Haese"s small oeuvre consisting in just around 400 sculptures over his

decades-long career.

Günter Haese

Neue Skulpturen
30.03.10  -  08.05.10

Elger Esser -Combray(Arc-en-Barrois), Frankreich, 2007, 122 x 139 x 6 cm

 

Galerie Sfeir-Semler is proud to announce our 4th exhibition of works by Elger Esser (*1967, Stuttgart). This exhibition will feature new landscape photographs as well as the artist’s new series of large-scale heliogravures inspired by Marcel Proust.

 

Esser studied photography at the Düsseldorf Academy under Bernd and Hilla Becher, but he has been called "the heretic of the Becher class.” (Britta Sachs - FAZ 19.01.2010) Veering from the Becher’s visual language of stark, concrete documentation of architectural typologies in specific historical moments, Esser animates his landscapes with profound sentiment, atmosphere and poetry. His lush pictures are pin sharp and deeply precise, but removed from our identifiable time in history to become dreamlike fantasies of a place as it might exist in one’s imagination.

 

On view will be a selection of Esser’s landscape photographs, vivid sweeps bathed in hues of blue and yellow ambience. These landscapes stem from the Veduta tradition of 19th Century travel painting, inviting the viewer to gaze into expansive pastoral scenes, empty of people or the markers of contemporary life. Amid these natural landscapes, Esser allows details - fragments of architecture, a bridge, a jetty, a stony wall - to suggest infinity, a place out of time, a kind of mirage. His quiet, meditative, ethereal images are simultaneously vast and vivid, with the sea, rivers, or water opening up to the sky on a brilliantly nuanced pictorial surface.

 

In addition, we will present Esser’s new heliogravures that conjure Marcel Proust’s imaginary town of Combray with images taken at sites around France. These black and white photo-engravings printed on cotton paper use an antique method of printing that was developed at the dawn of photography and was widely used as a method of illustrating fine publications at the end of the 19th Century. Calling upon his interest in the history of art, photography and literature, this printing technique brings to Esser’s images the most delicate, detailed range of blacks and whites printed at large scale (122 x 139cm, a highly unsual size for heliogravure). The heliogravure emerged from the earliest explorations of photography, aiming to capture and preserve images in time. The poetry of this technique, its relationship to literature and book illustration, the stillness and mystery of Esser’s sites, the indefinable temporality of these images all bring the viewer into their own "recherche du temps perdu,” illuminating the atmosphere of our past, our history, our memory.

 

ELGER ESSER

Landschaften - Veduten - Ansichten - heliogravüren
29.01.10  -  20.03.10

Raad’s ongoing project titled Scratching on Things I Could Disavow: A History of Art in the Arab World proceeds from the recent emergence in the Arab world of a new infrastructure for the visual arts comprising arts festivals, workshops, fairs, biennales, museums, galleries, funds, schools, journals and collections, among others. These developments, when viewed alongside the geo-political, economic, social, and military conflicts that have consumed the region in the past few decades, form a rich and knotty ground for creative work. Raad’s exhibition presents forms and stories made possible by this ground.

 

Raad refers to the three works in the show (which include sculptures, photographs, and mixed media installations) as stage sets from a forthcoming play about the history of art in the Arab world.

 

The exhibition expands upon Raad’s The Atlas Group, a 15-year project that examined the social, political, psychological and aesthetic ramifications of the various wars that have been waged in Lebanon.

 

Walid Raad was born in Chbanieh, Lebanon, in 1967. His work has been exhibited in prominent national and international exhibitions. Most recently, his work was the subject of "The Atlas Group: A Project by Walid Raad,” a one-person show at the Photo Espana 2009 at the Reina Sofia Museum, Madrid. Earlier this year "Scratching on Things I Could Disavow” was exhibited at REDCAT, Los Angeles. Raad’s work has also been presented at Documenta 11, Kassel (2002), Homeworks, Beirut (2005), the 2000 and 2002 Whitney Biennials, the 2003 Venice Biennale, the Kitchen, New York (2006) and the Hamburger Bahnhof, Berlin (2006). In 2007 Raad was awarded the Alpert Award, presented by CalArts, Los Angeles and in 2009 he was the recipient of a John Simon Guggenheim Memorial Foundation Fellowship. In 2009 Raad was nominated for the HUGO BOSS Price 2010.

 

Raad lives in Beirut and New York and has been an Associate Professor of Art at The Cooper Union’s School of Art, New York, since 2002.

 

WALID RAAD

Scratching on Things I Could Disavow - A History of Art in the Arab World: Part 1_ Volume 1 _ Chapter 1 (Beirut: 1992 - 2005)
13.11.09  -  16.01.10

Epistrophy III, 2009, Stainless steel, polysterene, wood, 186x202x88cm, unique

Timo Nasseri

GHAZAL
04.09.09  -  31.10.09

SWISS MADE

DANIELE BUETTI . BALTHASAR BURKHARD . GERDA STEINER & JÖRG LENZLINGER . CHRISTINE STREULI
08.05.09  -  15.08.09

Parallel Universes offers the spectator the gift of ubiquity. The title nods at the "Multiverse theory", the hypothetical set of multiple possible universes embracing together all of reality.

 

Mirza"s work exposes the coexistence of past and present layers of war and peace realities. Through her visual constructions of horror and leisure, she challenges the gap between politics and entertainment. Manipulating images from the 1975 and 2006 Lebanese wars, Mirza targets the sacred cow of the war photograph to reveal the contraptions of truth lying behind.

 

The artist softly disturbs the viewers" comfort with surreal representations. Parallel Universes" reciprocal intrusions bring the spectator"s self into conflict. "Where were these pictures taken? Are they "real" or "false"? Where does the picture begin and where do I end? Mirza eliminates the surface of the photograph, forcing the viewer to renegotiate their habitual relation to images.

 

Like a mirror, Parallel Universes incorporate the spectator"s gaze in the fabric of the image itself.

Randa Mirza

PARALLEL UNIVERSES
30.01.09  -  21.03.09

MARWAN, Köpfe Juni-Juli-Aug, Sept, 2004, 164 x 228cm

MARWAN

Malerei
30.01.09  -  21.03.09

Choice. Choosing. To choose. What is more basic?

Choosing which artists to include in the exhibition,

then asking the artists to choose two works themselves to put in the exhibit, for whatever reasons. I chose mature artists, no one under 50, who have been around a while. Friends, whose work I’ve known for years. Each one with a strong individual style, whose work requires close examination. Artists whose work should be given more opportunity to be seen more often. I chose not to include young emerging artists, paintings, or any of my work.

The artists were asked to give a reason why they chose those two works. If they chose to.

I guess I chose these artists because I just wanted to see more of their work in a proper exhibition space.

 

Robert Barry, November 2008

 

William Anastasi, Dove Bradshaw, Peter Downsbrough, Tadaaki Kuwayama, Maurizio Nannucci, Richard Nonas, Chris Williams

CHOOSING Kuratiert von Robert Barry
28.11.08  -  27.01.09